3l3
Aber dieser weite und bequeme Deckmantel der Scho-nung und Liebe war mir nicht recht bei einem Herrn, denGott so hochgestellt hatte, der in allem Uebrigen musterhastwar, den ich sonst nur von vortrefflichen Seiten kannte, undin welchem ich so gern ein Ideal gesehen hätte. Ihn unterpossenhaften, närrischen Dingen fast täglich im Theater zuwissen, schien mir unter Seiner Königlichen und moralischenWürde, und es war mir dieß vollends unbegreiflich, wenn ichIhn Sonntags in der Kirche ernst, fromm und demüthig,vor Gott gesehen hatte. Ich verdoppelte also meine Auf-merksamkeit auf Ihn, um mir diese psychologische Anomaliezu erklären; und da ich damit nicht auf's Reine kommenkonnte, nahm ich mir vor, mit Ihm selbst darüber zu reden.Dieß kam früher, als ich gedacht hatte; und zwar so, daßich nachher darüber erschrak. Die Absicht lag in meinerSeele, und daher mochte es kommen, daß ich damit ungeschickt,aber doch ehrlich, hervortrat.
Es war nämlich bei den Bcrathungen über die Liturgieauch die Rede von der Länge des Gottesdienstes. Der Kö-nig hatte für die Dauer desselben eine Stunde bestimmt, sodaß vor der Liturgie 2, nach derselben ebenfalls 2 Werse,am Ende aber 1 Vers gesungen wurde, die Predigt mithineine kleine halbe Stunde nur währte; und doch ist sie inder Evangelischen Kirche die Hauptsache! „Diese beschränkteZeit," bemerkte ich, „mag allenfalls für den Militair-Gottes-dienst, *) bei welchem Alles nach der Uhr geschieht, lang
*) Im Jahre 1822 erschien eine kleine Schrift unter dem Titel: „Kir-chenbuch; nebst einem Katechismus und einer Sammlung biblischer