Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
304
Einzelbild herunterladen
 

Ich sterbe, sterbe gewiß bald." Indem Er dieß sagte, tratdie Fürstinn wieder herein, und Er entließ mich, sich zu-sammennehmend, mit den Worten:Leben Sie wohl; baldsehen wir uns in Potsdam."

Der König kehrte nach Berlin zurück, um dort zusterben. Cr fühlte, daß es mit Ihm zu Ende ging; Ertäuschte sich nicht, und ließ sich nicht täuschen mit der Hoff-nung auf ein längeres Leben. Er war fertig mit SeinemTagewerk; für Ihn war die Zeit des Abtretens vom Schau-platze gekommen, und Er, der im Leben für Andere abgelebt

Auch kam Er an einem sonnigen April-Tage dahin;aber noch mehr verfallen und sichtbar dem Tode näher. Erwar so schwach, daß Er gegen Seine sonstige Gewohnheitzum Theil saß, zum Theil sich an einen Stuhl lehnte. Eswurde von dem mit Sehnsucht erwarteten Frühling, seinererquickenden Warme und von besseren Tagen gesprochen.Bald entließ Er die kleine Gesellschaft und ging langsamschleichend in die angrenzende Stube. Man versammelte sichstill in dem Speisesaal. Betrübt und traurig war ich imAudienzzimmer stehen geblieben; ganz allein noch in dem-selben, heftete ich betrübte Blicke auf die Thür, durchwelche Er gegangen war. Dieselbe öffnete sich langsam.Es war der König. Er sah mich, wie Er zu thun pflegte,gutmüthig und freundlich an, warf Seine geküßte Hand mirzu, und sagte mit leiser Stimme:Leben Sic wohl!" DieThür ging wieder zu. Der Hohe Herr war verschwunden.Dieß ist das Letztcmal, daß ich Ihn gesehen habe. Er stehtals ein Geist vor mir; ich kann und will diesen Anblicknicht loswerden.