Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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würdigen, was in derselben geschah, nahm Er Kcnntniß;aber die Erscheinungen der Zeit gingen als leichte Schattenan Ihm vorüber. Wenn Etwas unerhört Neues auftauchteund Alles erstaunte, pflegte Er zu sagen:Ist schon dage-wesen, nur in anderer Färbung; wird auch wieder alt wer-den: nach Verlauf von vier Wochen spricht kein Menschmehr davon." In Ziehung historischer Parallelen hatte ErSeine Stärke. Deßhalb blieb Er in allen Dingen nicht aufder Oberfläche, sondern schauete durch bis auf den Grund.Vieles, was Anderen wichtig schien, fertigte Er kurz ab, undManche verstanden Seine Eonclusioncn nicht, weil Er,schweigsamer Natur, die Prämissen nicht aussprach. Wennman Ihn darnach fragte, wurde oft Seine heitere glatteStirn kraus und Er erwicdcrtc:Ei! das versteht sich javon selbst." In Seinem Leben, vom frühen Morgen biszum späten Abend, war Alles geregelt; jede Stunde hatteihr angewiesenes Geschäft und die vorgeschriebene Reihenfolgelief ruhig wie ein Uhrwerk ab. In dieser Einförmigkeit fandEr nicht Monotonie, sondern Reiz; das Neue war Ihmunbequem, das gewohnte Alte behaglich; dieß erstreckte sich bisauf den Wechsel der Kleider und der sich anhäufenden Kunst-sachcn. In Seinem täglichen Wohnzimmer duldete Er keineVeränderung; Alles mußte auf Seiner Stelle bleiben, damitEr es auch im Finstern finden konnte. Immer wußte man,wo Er war, und man kannte im Publicum die Jahreszeitenund den Tag, wann Er kam und ging. Eine solche äußereOrdnung entspringt aus der inneren Ruhe, und in ihrnur gedeihet das Leben, besonders das eheliche und häus-liche. Auch darum liebte Er Seine Gemahlinn so sehrund war in arbeitsfreien Stunden gern bei Ihr, weil Sieauch in diesen Stücken mit Ihm sympathisirtc. Das stille