263
und ausgeflogen, — hat Er doch nun in Seinem Alter War-tung und Pflege! Gott lasse es Ihm wohlgehen!"
Und es ging dem Könige in Seiner zweiten Ehe wohl.Sein Gefühl und Tact hatte Ihn nicht getäuscht; Er hattedas Rechte getroffen und in Seiner Geinahlinn wirklich dasgesunden, was Er erwartete und suchte. Freilich liebt manim 24sten Jahre anders, als im Allsten. *) Dort ist derFrühling mit seinen Blüthen und Nachtigallen, hier der zumlangen Winterschlaf eingetretene Herbst. Dieser hat zwarauch noch heitere Tage; aber sie werden immer kürzer undes wehen keine Zcphyre mehr, sondern rauhe Stürme. DerKönig hatte nicht die häusige Selbsttäuschung alter Männer,die, weil sie sich noch stark, gesund und heiter fühlen, auchnoch jung sein wollen, und als junge Männer auftreten.Solche sorcirte Jugend, besonders in der Galanterie gegendas schöne Geschlecht, ist und macht lächerlich. Das Geprägedes Alters blickt mit seinen Zügen und den grauen Haarenüberall durch und läßt sich nicht verstecken; die von der lan-gen Zeit selbst erschöpfte Natur läßt sich nicht verläugnen,und wer es gleichwohl in thörichter Eitelkeit versucht, entgehtdem Borwurf nicht, daß er ein alter Narr sei. Darum istes in der Regel nicht gut, wenn ein alter Mann eine junge
*) Im Lateinischen wird sinnreich durch ein Wortspiel die Be-schaffenheit der lsten, 2ten und 3ten Ehe so bezeichnet: DasErstemal heirathet man propter opus, — (der Sache wegen),das Zweitemal propter opes, — (des Vermögens wegen; hiernicht passend), das Drittemal propter opsrn —> der Hülfe undPflege wegen.