264
Frau nimmt; in der Vache selbst liegt eine Unnatur, die sichgewöhnlich in großer, auffallender Verschiedenheit bestraft.
Der König war überall ein ernster, wahrer Mann, undwenngleich bei Seiner zweiten Heirath noch rüstig und kräf-tig, so wollte Er doch auch körperlich kein Anderer sein, alsEr war. Seltene Fälle ausgenommen, erschien Er nichtmehr zu Pferde, und weite Gänge liebte Er gar nicht mehr.Durchgängig liegt in dem vereinten Anblick eines Alten mitseiner jungen Frau Etwas, was zum Spott reizt und ein,wenn auch nur verstecktes, Lächeln erzeugt; aber Solcheswar keincsweges hier der Fall. Der König erschien unver-ändert auch hier in Seiner menschlichen Würde, durch die-selbe in Seiner sürstlichen Gravität; Er war aufmerksam,aber mehr väterlich liebevoll gegen Seine Gemahlinn, wiebei'm Hofesfest, so immer in kleineren Kreisen, und gewißKeinem siel es nachher ein, lächerliche Contraste zu ziehen,weil nie Gelegenheit dazu gegeben wurde. Immer und im-mer war und blieb auch bei gewöhnlichen Dingen der Königin Seiner natürlichen heiteren Haltung, und von Ihm selbstund Seiner Umgebung hat man auch in der ersten Zeit nieeinen unwürdigen, zweideutigen Scherz gehört.
Natürlich war von allen Seiten, am Meisten von denweiblichen, die Aufmerksamkeit rege und gespannt, wie dieKönigliche Gemahlinn, die Fürstinn Liegnitz, sich benehmenwürde. Aller Augen, nicht immer liebevolle und treue, wa-ren auf Sie gerichtet, und schwierig war Ihre Aufgabe, inder epineuscn Hofes-Etiquettc sich, die keine Königinn unddoch die rechtmäßige eheliche Gcmahlinn des Königs war,