243
gehen einen anderen Weg!" Er schloß die erste Thür auf undhinter sich wieder zu; so die zweite; und so ging's von Zim-mer zu Zimmer, das lange Schloß hindurch, bis wir in dieStube vor der Kapelle gekommen waren. Diese war ganzleer, und während der Zeit, daß der Geheime Kämmerier dieAltarlichter anzündete, legte ich meine Amtskleidung an.Kaum hatte ich mich an den Altar gestellt, als der König,Seine Braut, die Gräsinn Auguste von Harrach, an derHand, in die Kapelle trat. Hinter Ihm her ging der Kron-prinz, der Großhcrzog von Mecklenburg-Strelitz, der Grafund die Gräsinn von Harrach, der Fürst und Oberkammer-herr zu Sayn und Wittgenstein, der Oberhofmeister Freiherrvon Schilden, der Oberst von Witzleben, und der Cabinets-Rath Albrccht. Das Hohe Brautpaar trat zur Trauungan den Altar. Der König hatte wie gewöhnlich Sein edlesoffenes Angesicht, nur war noch mehr wie sonst Ernst unddie Klarheit der Menschengüte auf demselben; die Braut,als die erkorene Verlobte des mächtigen Herrn, stand da ander Seite desselben schüchtern, in dem lieblichen Ausdruck derblühenden Jugend und dem rührenden der Unschuld. Alsich am Schlüsse der kurzen Trauungsrede zu Ihr sagte: „Ihrsei das große, bedeutungsvolle Loos gefallen, dem Königedas Leben zu erheitern und zu verschönern, Seine Lasten zuerleichtern, Seine Sorgen zu zerstreuen und dadurch wohl-thuend auf Seine Stimmung zu wirken, und je stiller, ohneAufsehen zu machen, je geräuschloser, je wahrhast weiblicherSie dieß thuc, um so liebenswürdiger werde Sie sein; wich-tig und ernst sei Ihre Bestimmung; das ganze Land werdeTheil daran nehmen; der König werde vom Volke geliebt,was Ihm geworden, betrachte es als Sclbsterfahrencs; Sietrete also in eine auch in dieser Hinsicht heilige Verbindung;''