241
Nach einer Pause fragte der König: »Wissen Sie, waseine Morganatische Ehe ist?" Ich antwortete: „DerName kommt von dem Gothischen iVIm-Kinn her und heißt:vermindern, verkürzen, beschneiden. Eine morganatische Ehe(mnti'imonium ael mcn'Akmgtionm) hat zwar die Pflichtenund Rechte einer rechtmäßigen, auf kirchliche Weise ge-schlossenen Ehe: aber sie ist zur linken Hand geschlossen voneinem hohen Herrn, einem Grafen, Fürsten, Könige, miteinem nicht ebenbürtigen Frauenzimmer, welchem er etwasBestimmtes zur Morgengabe aussetzt; aber die Kinder einersolchen Ehe tragen und erben nur Namen und Vermögender Mutter."
„Ganz recht," sagte der König; „nur ist von Kindernhier nicht die Rede, auch weiß ich Nichts von Vermindernund Verkürzen. Ich meine eine rechtmäßige, christliche Ehe,und meine zweite Gemahlinn soll aus Gründen, die ich schongesagt, zwar keine Königinn, aber vor Gott und Menschenin wechselseitiger Ehrbarkeit und Treue meine rechtmäßigeEhefrau sein. Eine solche morganatische Ehe will ich schlie-ßen mit der Gräsinn Auguste von Harrach. Ich habesie kennen gelernt in Teplitz und sie mehrere Jahre beobach-tet. Ich habe sie liebgewonnen: sie hat die Eigenschaftender Anmuth, der Weiblichkeit, des gesunden Verstandes, derAnspruchlosi'gkeit und Unbefangenheit, wodurch ich beglücktwerden kann. Ihre Eltern leben noch; sie sind aus einemangesehenen altöstcrreichischcn Geschlecht, der Name Harrachkommt schon im dreißigjährigen Kriege vor."
Der König ging im Zimmer auf und ab, und sagte:»Ja, ja, so geht's in der Welt!" Dann fuhr Er fort: „JeIII. 10