Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
219
Einzelbild herunterladen
 

2l9

und machten wieder offen und frei den geraden Zugang zuihr. Jn's Deutsche bieder, kurz und treuherzig verdollmetscht,führten sie in die Bibel und ihr Heiligthum das edle deutscheVolk wieder hinein, damit es nicht blind mehr glaube, wasdie Kirche glaubt, sondern in eigener Angelegenheit auch miteigenen Augen sehe, bcurtheile, und erkenne. Sie hatten zuviel Ehrfurcht vor dem göttlichen Wort und dessen bindenderAutorität, Alles, was sie dachten, wollten und thaten, sam-melte sich zu sehr in ihm, als seinem einzigen Brennpunkt,als daß es ihnen nur mal einfallen konnte, daneben ihr ei-genes Werk, die symbolischen Bücher, zu stellen. Der Ge-lchrteste und Frommste unter ihnen, den man deßhalb auchden Magister Germania genannt und als solchen verehrt hat,Philipp Mclanchthon, hielt seine Arbeit, die AugsburgischcConfession, für unvollkommen, veränderte und verbesserte sie.Er veränderte und verbesserte sie, als ein menschliches Werk;ein ähnliches stellte, der lutherischen Partei gegenüber, diereformirte hin, und beide Kirchen kämpften immer heftigerfür die biblische Rechtgläubigkeit der ihrigen. Alle wahrenChristen, die an Christum glaubten und ihn als ihren Herrnund einzigen Meister verehrten, sahen es klar ein, daß dieeingetretene Trennung nicht dem Willen Gottes und Jesugemäß sei, und hielten den dogmatischen Streit für einSchulgezänk orthodoxer Theologen. Bei jeder friedlichenAnnäherung brach er giftiger wieder los, und die erlauchtenRegenten des Preußischen Hauses, unter welchen vorzüglichder große Kurfürst über die haderhafte Unverträglichkeit dersystematischen Theologen seiner Zeit klagte, mußten, bis aufKönig Friedrich Wilhelm I., ihre frommen christlichen ireni-schen Bemühungen, beide Schwesterkirchcn zu vereinigen, alsgänzlich mißlungen aufgeben. So hartnäckig, so leidcnschaft-