Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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Er sich doch einen solchen Ausgang nicht gedacht, vielmehrglaubte und hoffte Er, daß der exaltirte Mensch von seinenÜberspannungen zurückkommen und einlenken würde. Esgehört zu Seinen tief liegenden Charaktcrzügen, daß Er,viel tausendmal hintergangen, verkannt und getäuscht, immervon Neuem daF Beste hoffte, und wiewohl mißtrauisch ge-macht, doch nichts von Haß und Bitterkeit wußte. Groß-müthig von Natur und in Seiner Königlichen Stellung, warEr über kleinliche Leidenschaften erhaben, und Er war, be-sonders in Seinen letzten Jahren, im Besitze und Genüssejenes Seelenfriedens, den die heilige Schrift allen wahrhaftGottesfürchtigen verheißt und zusagt. Aber so mußte eskommen, um Ihn auf den rechten Standpunkt zu bringen,aus welchem der Pietismus und Mysticismus unserer Zeitgewürdigt werden muß. Bis dahin hatte Er darin die er-sten Elemente der Frömmigkeit gesehen und das Zuviel der-selben war Ihm lieber, als das Zuwenig. Die Übertreibun-gen, die dabei vorkamen, hielt Er für Auswüchse, für, wieEr es nannte, Wasserlohdcn, die beschnitten werden müßten.Dicß thuc die Zeit in ihrer praktischen Tendenz, wenn nurder Baum in seiner Wurzel, im Stamm und in den Zwei-gen, gesund sei, und darum ließ Er das pietistische Conven-tikel-Wesen im Lande gewähren und wollte nichts von po-lizeilichen harten Maßregeln dagegen wissen. In dieser Zeit,wo das tragische Ende des Husaren-Lieutenants viel Sen-sation machte, predigte ich in Gegenwart des Königs überdas Thema: ,,Spannt die Saiten nicht zu hoch: jede Uber-treibung zerstört sich durch sich selbst." Ich redete von derrechten Mitte, und zeigte, daß der Aberglaube, der zuviel,und der Unglaube, der zuwenig glaube,.zwei gleich gefährlicheExtreme wären, und daß zwischen beiden der lebendige, in der