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selbstgefällig und versteckt; er liebt es jedoch dabei, Einflußzu gewinnen, sich Anhang zu verschaffen, eine Rolle zu spie-len, und möchte als der Erste im Reiche der Gnade gernregieren. Gelingt es ihm, Macht und Einfluß zu gewinnen,so ist sein ganzes Bemühen nur dahin gerichtet, seine Sym-pathien in die vordersten Reihen zu bringen und zu denEmpfehlungen der besten und tüchtigsten Männer, wenn sienicht zu seinen Leuten gehören, bedenklich die Achseln zuzucken. *) Die gesunde Natur des Menschen, das praktisch thä-tige Leben der Meisten, das Lichtvolle und Einfache des biblischenChristcnthums, das Wesen der evangelischen Kirche, machenes Gottlob unmöglich, daß solcher Mysticismus und Pietis-mus jemals allgemein werden kann, er hat sich immer als
*) Diese psychologische Schilderung der Mystiker und Pietisten istnicht gehässig aus der Luft gegriffen, sondern auf wirkliche Thatsa-chcn und Geschichte gegründet. In der älteren, neuen und neue-sten Geschichte sind sie, nach dem Erfahrungßgrundsatze: GleicheUrsachen bringen gleiche Wirkungen hervor, sich darin immergleich geblieben. Um sich davon zu überzeugen, vergleiche mandas, was Semlcr in seiner Autobiographie von den Pietistenseiner Zeit charakteristisch sagt, mit dem, was Jung-Stilling inseinen Schriften, namentlich im 4ten Theil seiner Lebensbeschrei-bung : „Häusliches Leben," und im „Theobald, oder die Schwär-mer," von ihnen erzählend anführt. Beide Männer, Scmlerund Jung, zu verschiedenen Zeiten und in ganz anderen Ge-genden lebend, in Denkart und Ansicht ganz verschieden, sinddoch hier merkwürdig übereinstimmend. Eine Darstellung er-gänzt die andere, und in der alten Färbung findet man dieneue. Es ist, als ob man in jener die Charakterisirung derjetzigen Mode-Pietisten läse. Der verewigte Jung war ein an-erkannt frommer, positiv biblisch-gläubiger, christlich gesinnterMann. cft. die Schrift „Ucber Liturgie und Agende." S. löö— 171. 2te Auflage. Potsdam bei Riegel, 183«.