146
gefallen? Dcßhalb ist ihm auch gar nicht beizukommen, undauf keinem Wege, der nicht der scinige, ist er zu gewinnen.In der Erquickung subjcctiver Gefühle glaubt er seiner Sachebis zur Entschiedenheit so gewiß zu sein, daß er alle Anders-denkenden bald als Irrende kühn verachtet, oder bemitleidet,und so im geistlichen Hochmuthe das erste Element jederwahren Frömmigkeit, die Dcmuth, in sich vernichtet. Ständees in seiner Gewalt, er würde, meinend, Gott damiteinen Dienst zu thun, verfolgen und Feuer herab vomHimmel auf alle Irrgläubigen regnen lassen, um die KircheChristi zu reinigen. Nichts hat aber von jeher ihr in derVerbreitung ihres Lichts mehr geschadet, als dieser einseitigestarre und intolerante Pietismus. Der wahren ächten Pietät,die immer klar und einfach, duldsam und geräuschlos, tiefund still, offen und für die Wahrheit in jeglicher Gestaltnach allen Richtungen empfänglich und unbefangen ist, stehter in seiner Excentricität schnurstracks entgegen, und ihr wirdunwohl und unheimlich in seiner dumpfen Nähe. — DerFrivolität, die Nichts von Religion und Kirche wissen mag,und sich, um es mit der Welt und ihrem Anstände nicht zuverderben, mit der Legalität und deren schlauen Punktirungbegnügt, ist er ein Gegenstand der Anklage und eigenen Ent-schuldigung, und Stoff des Hohnes und Spottes; und wennLeichtsinnige, die noch gewonnen werden könnten, sich nun vol-lends von der Wahrheit ab- und wegwenden, der Pforte zu, dieda weit, und auf den Weg hin, der breit ist: so verschuldetdicß der After-Pietismus, in welchem der gesunde, klare Ver-stand die Religion nie liebgewinnen kann, und lieber garkeine, als eine solche, haben mag. In dieser Ueberspannung,die nur immer meint und wähnt, tappt und fühlt, schwebt undverschwcbt, ist ihm der Zu- und Uebergang zum praktischen