Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
145
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gelehrt, daß die einmal angeregte Phantasie in einem gehei-men Bunde mit dem Geschlechtstriebe steht. Das langeverborgen gewesene dunkele Thun und Treiben der Pietistenund Separatisten in Königsberg, die man späterhin mit demvon Friedrich II. gebrauchten Ausdrucke der Mucker be-zeichnete, hat darüber einen merkwürdigen Ausschluß gegeben,und man läßt gern über diese in der Färbung der Fröm-migkeit begangenen Werke der Finsterniß den zudeckendenSchleier sallen.

Solche Mystiker, Pietisten und Separatisten, waren undsind auch, freilich aus einem ganz anderen Grunde, als diebuchstäblichen Symbol-Gläubigen, Gegner einer vorgeschrie-benen festen Liturgie, der Agende und Union. Das'Gefühl,wenn es in der Religion vorherrschend geworden, und nichtdas Product einer biblischen Erkenntniß ist, verschwächt, weilkeine Richtschnur im Inneren herrscht, jede äußere Regel,und Alles, was feste, bindende liturgische Ordnung heißt, istihm in seinen Abschweifungen zuwider. Freier Spielraumder Phantasie ist des After-Mysticismus Element, Alles ar-beitet in ihm auf die Cnlminationspunkte hin; für seine exaltir-ten Gefühle duldet der Mysticismus kein Maß, keine Regel, keinGesetz, und Alles, was in feste, zusammenhaltende Schrankenführen will, ist ihm Geistcsdruck und Gewissenszwang. DasLicht, welches jeder Wahrheit ihre Abgrenzung und gehörigeStellung giebt, liebt er nicht; den schwebenden Zustand desHelldunkels, in welchem die Einbildungskraft nach Willkürdie Farbe wählt und mischt, ist ihm behaglich: wie könnteihm die Einheit und Klarheit einer Liturgie und Agende,wie die Eintracht und Einheit der Union, die in ihrer gan-zen Fassung Alles auf feste leitende Grundsätze zurückführt,III. lv