Druckschrift 
3,2 (1846)
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bewahrte. Aber die mystisch-pietistischc Ansicht des Christen-thums ist nicht die der großen Menge; die Contemplationverträgt sich nicht mit dem Geräusch des Lebens und mitden Geschäften, die in demselben gethan werden müssen unddarin gedeihen. Der öffentliche Markt und seine unruhigegemischte Buntheit ist nicht der sphärische Ort, wo das Ge-fühl, sondern der spcculircndc Verstand zu Hause ist. Bringtman gleichwohl in das materielle Sein und Wirken mit denPietismus und Mysticismus, so ist, da derselbe im Verkehrhinderlich wird, die Halbheit und das getheilte Wesen imMenschen unvermeidlich. Dadurch entsteht Widerspruch undZerrissenheit in der Brust, und damit ist der innere Frieden,das höchste Glück des Lebens, hin. Wahre Frömmigkeit abersoll bei dem Menschen Saft und Blut sein und ihn ganzund gar durchdringen, so daß er ihr auch im Handel undWandel treu bleibt und eben dann ihre Vorschriften amMeisten befolgt. In diesem, und nur in diesem Sinne, hatsie auch die Verheißung dieses Lebens. Eine Religion, dieman im Verkehr nicht brauchen kann, kann nicht Religiositätwerden, und sie verdient diesen Namen nicht, wenn man sieisolirt und auf bestimmte Andachtsübungen beschränkt. Siesieht zwar aus wie Frömmigkeit, ist's aber nicht; ihrer wirdman nicht froh und sie steht da als ein imponirender todterBuchstabe, aber kcineswegcs als ein lebendiges Lcbensprincip.Darum ist das, was man auch im guten Sinne Pietismusund Mystik nennt, nie das tägliche Brod für einen gesundenKreis, der sich hcrumtummeln muß, um sein Bestehen zuhaben; er paßt nicht für ein Leben, das nicht bloß argloseTauben, sondern auch schlaue Schlangen hat. Denn er hältsich nicht, oder doch nur sehr schwer, auf der schmalen Liniedes wechselnden Gefühls, springt vielmehr oft ab, und scheint