Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
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Anfangs," fuhr ich fort,nur leise und bescheiden.Er hatte nicht den entferntesten Gedanken, sich von der ka-tholischen Kirche zu trennen, vielmehr war er, als Augusti-ner Mönch, ein gehorsamer Sohn derselben und ging nachRom, um demiithig vor dem heiligen Vater zu erscheinenund ihm seine Ehrfurcht zu bezeigen. Aber durch hierarchischeBefehle brachte man ihn in Harnisch und der AblaßkramTezels empörte seine sittliche Natur. Er ging, durch Oppo-sition gereizt, immer weiter, und war dann oft leidenschaft-lich heftig; aber er war es nur dann, wenn er durch Sanft-muth nichts mehr ausrichten konnte. In allen Verhältnissendes täglichen und häuslich-ehelichen Lebens, war er ein gut-müthigcr, gelassener Mann. Eine echt vollständig und reinausgeprägte deutsche Natur. Ein Löwe auf dem Kampf-platze, ein Lamm in der Familie."

Seine Wahrheit und seine Wahrhaftigkeit ist es, diemich stets zu dem großen Mann hingezogen hat; und ebenweil er über Alles die Wahrheit liebte und wollte, war er,von ihr getragen, so freimüthig," sagte still stehend, unaus-sprechlich zusagend, mit einer Stimme, die aus dem Herzenkam, der König.

Und bei der Freimüthigkeit," setzte ich hinzu,dochfriedliebend. Als Calvin zur Beilegung des losgebrochenentheologischen Streites von Genf nach Wittenberg kam, under in das Zimmer trat, empfing ihn bieder unter Darreichungder Hand Luther mit den Worten:Sei mir gegrüßt, lie-ber Bruder Calvin. Dieser Tag ist einer der glücklichstenmeines Lebens!"

Leider hat Beide," setzte der König hinzu,späterhindiese friedliche Gesinnung verlassen und es ist doch zur Tren-nung gekommen. In der Hitze des Dispüts hat, um con-