27
gegenwärtig; die Reformirten dagegen behaupten, die äußerenZeichen wären nur eine Erinnerung an den Erlöser, der da-bei hinzufügte: Thut das zu meinem Gedächtniß. Das Letz-tere scheint mir jedoch zu wenig zu sagen. Ich habe ange-fangen, die Schriften von Luther und Calvin darüber selbstzu lesen; aber die feinen theologischen Distinctionen, welcheBeide besonders von dem absoluten Decrct machen, sind mirunverständlich geblieben und ich habe nicht damit fertig werdenkönnen. Die Sache hat allerdings ihre geheimnißvollcn, dun-keln Seiten. Die helle ist der freie Wille des Menschen, und inder Freiheit liegt die Jmputabilität aller moralischen Hand-lungen. Damit hängt das Gewissen, seine Ruhe und Un-ruhe nach jeder That, zusammen. Dieser Friede und Unfriede,der in unserem Innersten wohnet und Gericht hält, ist dersicherste. Beweis, daß wir frei sind. Damit aber scheint mirdie Prädestination, nach welcher vorher unabänderlich bestimmtist, ob der Mensch verdammt oder selig wird, unvereinbar.Die Sache hat ihre gehcimnißvollen Tiefen; wir können sie,da wir von dem Rathschlussc Gottes nichts wissen, auch nichtaufhellen. Das Beste, was wir dabei thun können, ist, daßwir rechtschaffen nach der Lehre Christi handeln und unsdann der Gnade Gottes überlassen. Ich denke gar nichtmehr darüber nach, da ich doch weiß, daß man darüber nichtaufs Reine kommt. Was nun das heilige Abendmahl be-trifft, so ist allerdings die Ansicht Luthers gehaltreicher undtiefer, besonders wenn man Alles dabei nicht körperlich/ son-dern geistig nimmt, als die von Zwingli und Calvin. AberAlles scheint mir bei der Thcilnahme an dieser Handlung aufden rechten Gebrauch anzukommen. Wer würdig, in derrechten Stimmung und Richtung, genießt, denkt dabei schwer-lich, er mag seiner Confession nach ein Lutheraner oder Re-