Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

25

sie eine freie ist, welche, fern von jedem Zwange, weniger aufden tobten Buchstaben und ihre Formen, aber mehr auf denbelebenden Geist sieht. Es ist Ein Ziel, wohin sie führt,und wohin Alle wollen; aber die Wege, welche dahin führen,sind so mannigfaltig und verschieden, wie die Menschen,welche sie gehen. Der mit vorherrschender Vernunft Begabtefaßt das Christcnthum zuerst rationalistisch auf; er fragt inAllem: Warum? und kommt später zum Glauben, der dannum so fester ist. Das kindliche Gemüth, vorzüglich die an-dere Hälfte des Geschlechtes, die weibliche, geht seiner Naturnach von der Autorität aus und sängt mit dem Glauben anund nimmt die Wahrheit an, ohne sie untersucht zu haben.Der Gefühlvolle und Phantasicreiche fühlt sich am Meistenangezogen durch das Rührende, Schöne und das Plastische,der geschichtlichen christlichen Religion und faßt sie von die-ser Seite auf. Der Glückliche, dem es nach Wunsch geht,findet diese Erde schön und den Aufenthalt auf ihr angenehm;

den auch hellsehende und liberal fühlende Regenten ihr Theil-nahme gewidmet und als ein Werk van Gott sie gefördert.Besonders haben sich auch in dieser Beziehung der edle Königvon Wiirtcmberg und der geistreiche König von Preußen Frie-drich Wilhelm IV. ausgezeichnet. Die auch bei dieser Gelegen-heit von Diesem gesprochenen Worte sind goldene Aepfel in sil-berner Schale. Uebcr das Wesen der evangelischen Kirche, de-ren Eintracht nicht im Festhalten der Dogmen, als worüberstets Verschiedenheit geherrscht, so daß es unmöglich ist, hiereine vollkommene Ucbercinstimmung zu bewirken, sondern inder der Gesinnung besteht, kann nicht richtiger und kürzer gc-urtheilt werden, als hier geschehen. Der Königliche Herr nenntmit Recht es eine Schmach, solchem Werke reinster Humanitätund des echten Glaubens, der in Liebe thätig ist, entgegenzu sein.