Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
19
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seite zu verstecken. So ist es gekommen, und so kommt esnoch immer, daß das gute menschliche Werk der Union, lang-sam fort-, oft rückschreitet, und daß bei aller guten Gesin-nung, die dem Menschen von Natur eigen ist, ihr beglücken-der Friede sich nicht weiter verbreitet. Wahrlich, die Schuldliegt nicht am Volke, sondern an seinen Führern; sie wissenes zu erhitzen, und zu fanatisiren, wie hätten sich sonstdie Gräuel der Inquisition so lange halten können? Wiekönnten sich so lange halten die Mißbräuche der römischenHierarchie? Diese eifert aber mit Unverstand und glaubt,Gott selbst damit einen Dienst zu thun. Die armen Men-schen, Betrüger und Betrogene!!"

Der wahre christliche Glaube, welcher mit echter Fröm-migkeit Ein und Dasselbe wirkt, ist tolerant; der Confessi'ons-gcist überall, auch in der protestantischen Kirche, intolerant.Jener ist weit und philanthropisch, dieser eng und gehässig.Es ist jetzt, wenn auch nicht Allen, doch der Mehrzahl, un-begreiflich, wie Lutheraner und Rcformirte sich so hassen undverfolgen konnten, daß es ihnen damit ein voller Ernst war.Beide Parteien standen sich schroff einander gegenüber, unddie eine meinte von der anderen, sie sei in einem gefährlichen,seelcnverderblichcn Jrrthumc. Man hörte von den Kanzelngehässige Urtheile, Ausfälle, Warnungen, und ein wirk-licher Krieg fand zwischen so nahen Religionsverwandtenstatt. Die polemisircnde Rechthaberei war namentlich inBerlin bis zum höchsten Grade gestiegen, und ein wahrhaftfrommer Mann, der durch seine herzlichen, kernhasten Liederrühmlichst bekannte Paul Gerhard, nahm an diesem ärger-lichen Kirchenstrcitc Thcil. Vergebens crmahnte der edlegroße Churfürst zum Frieden; vergebens untersagte er pole-mische Predigten; vergebens bat er um Eintracht: die söge-