Musikalische Berichte aus Paris. 233
und in ihrer Kehle tönt die reinste Jungfräulichkeit! Das ist es.„Nnicksniboock is in Iisr voias" — das sagten alle olcl sxiiwtsrs.von London, alle prüden Ladies und frommen Gcntlemen sprachenes augcuverdreheud nach, die noch lebende nmnvaiss gusus vonRichardson stimmte ein, und ganz Großbritannien feierte in JennyLind das singende Magdtum, die gesungene Jungserschaft. Wirwollen es gestehen, dieses ist der Schlüssel der unbegreiflichen, rätsel-haft großen Begeisterung, die Jenny in England gefunden, und.unter uns gesagt, auch gut auszubeuten weiß. Sie singe nur, hießes, um das weltliche Singen recht bald wieder aufgeben zu könnenund, versehen mit der nötigen Ansstcucrsnmme, einen jungen pro-testantischen Geistlichen, den Pastor Svenske, zu heiraten, der unter-dessen ihrer harre daheim in seinem idyllischen Pfarrhaus hinterlipsala, links um die Ecke. Seitdem freilich will verlauten, als obder junge Pastor Svenske nur ein Mythos und der wirklich Verlobteder hohe» Jungfrau ein alter abgestandener Komödiant der Stock-holmer Bühne sei — aber das ist gewiß Verleumdung, Der Keusch-heitssinn dieser Lrimacionna, imirmaulata offenbart sich am schönstenin ihrem Abscheu vor Paris, dem modernen Sodom, den sie beijeder Gelegenheit ausspricht, zur höchsten Erbauung aller Oaiussxutronsssss der Sittlichkeit jenseits des Kanals, Jenny hat aufsbestimmteste gelobt, nie auf den Lasterbrettern der Rue Lepellctierihre singende Juugferschast dem französischen Publiko preiszugeben;sie hat alle Antrage, welche ihr Herr Leon Pillet durch seine Kunst-ruffiani macheu ließ, streng abgelehnt, „Diese rauhe Tugend machtmich stutzen", — würde der alte Paulet sagen, Ist etwa die Volks-sage gegründet, daß die heutige Nachtigall in früheren Jahren schoneinmal in Paris gewesen und im hiesigen sündhaften KonservatoireMusikunterricht genossen habe, wie andere Singvögel, welche seitdemsehr lockere Zeisige geworden sind? Oder fürchtet Jenny jene frivolePariser Kritik, die bei einer Sängerin nicht die Sitten, sondern nurdie Stimme kritisiert, und Mangel an Schule für das größte Lasterhält? Dem sei, wie ihm wolle, unsere Jenny kommt nicht hierherund wird die Franzosen nickst aus ihrem Sündenpfuhl heraussingcu,Sie bleiben versallen der ewigen Verdammnis.
Hier in der Pariser musikalischen Welt ist alles beim alten; inder ^.oacksmis rozmls eis inusigus ist noch immer grauer, feucht-kalter Winter, während draußen Maisonne und Veilchenduft. ImVestibül steht noch immer wehmütig trauernd die Bildsäule des gött-lichen Rossini; er schweigt. Es macht Herrn Leon Pillet Ehre, daßer diesem wahren Genius schon bei Lebzeiten eine Statue gesetzt,Mchts ist possierlicher, als die Grimasse zu sehen, womit Scheelsuchtund Neid sie betrachten. Wenn Siguor Spvutini dort vorbeigeht,stößt er sich jedesmal au diesem Steine. Da ist unser großer Maestro