294 Französische Zustünde. II.
Mehcrbcer viel klüger, und wenn er des Abends in die Oper ging,wußte er jenem Marmor des Anstoßes immer vorsichtig auszuweichen,er suchte sogar den Anblick desselben zu vermeiden; in derselbenWeise Pflegen die Juden zu Rom, selbst auf ihren eiligsten Geschäfts-gängen, innner einen großen llmweg zu machen, um nicht an jenemfatalen Triumphbogen des Titus vorbeizukommen, der zum Gedächtnisdes Untergangs von Jerusalem errichtet worden. Über Donizettis Zu-stand werden die Berichte täglich trauriger. Während seine Melodiensreudegaukelnd die Welt erheitern, während man ihn überall singtund trillert, sitzt er selbst, ein entsetzliches Bild des Blödsinns, ineinem Krankcnhause bei Paris. Nur für seine Toilette hatte er voreiniger Zeit noch ein kindisches Bewußtsein bewahrt, und man mußteihn täglich sorgfältig anziehen, in vollständiger Gala, der Frack ge-schmückt mit allen seinen Orden; so saß er bewegungslos, den Hut in derHand, vom frühesten Morgen bis zum späten Abend. Aber das hatauch aufgehört, er erkennt niemand mehr; das ist Menschenschicksal.
Druck von Hesse 6 Becker tu Leipzig.