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10 (1898) Französische Zustände : 2
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292 Französische Zustände. II.

Spätere Notiz.

Den vorstehenden Mitteilungen füge ich aus melancholischerGrille die folgenden Blätter hinzu, die dein Sommer 1847 angehören,und meine letzte musikalische Berichterstattung bilden. Für mich hatalle Musik seitdem aufgehört, und ich ahnte nicht, als ich das Leidens-bild Donizettis crahonnierte, daß eine ähnliche und weit schmerzlichereHeimsuchung mir uahete. Die kurze Kunstnotiz lautet, wie folgte

Seit Gustav Adolf, glorreichen Andenkens, hat keine schwedischeReputation so viel Lärm in der Welt gemacht, wie Jenny Lind.Die Nachrichten, die uns darüber ans England zukommen, grenzenans Unglaubliche. In den Zeitungen klingen nur Posannenstöße,Fanfaren deS Triumphes; wir hören nur Pindarsche Lobgesänge.Ein Freund erzählte mir von einer englischen Stadt, wo alle Glockengeläutet wurden, als die schwedische Nachtigall dort ihren Einzughielt; der dortige Bischof feierte dieses Ereignis durch eine merkwürdigePredigt. In seinem anglikanischen Episkopalkostüm, welches derLeichenbittertracht eines Lbsk cks poinpos t'unsbrss nicht unähnlich,bestieg er die Kanzel der Hauptkirchc, und er begrüßte die Neinangekommene als einen Heiland in Weibskleidern, als eine FrauErlöserin, die vom Himmel herabgestiegen, um unsere Seelen durchihren Gesang von der Sünde zu befreien, während die andern Kanta-tricen ebenso viele Tcnfclinnen seien, die nnS hincintrillcrn in denRachen des Satanas. Die Italienerinnen Grisi und Persiani müssenvor Neid und Ärger jetzt gelb werden wie Kanarienvögel, währendunsere Jenny, die schwedische Nachtigall, von einem Triumph zumandern flattert. Ich sage unsere Jenny, denn im Grunde repräsentiertdie schwedische Nachtigall nicht exklusive das kleine Schweden, sondernsie repräsentiert die ganze germanische Stammesgenvssenschast, dieder Cimbern ebensosehr wie die der Teutonen, sie ist auch eineDeutsche, ebensogut wie ihre naturwüchsigen und pflanzenschlttfrigenSchwestern an der Elbe und am Neckar, sie gehört Deutschland, wie,der Versicherung des Franz Horn gemäß, auch Shakespeare unsangehört, und wie gleicherweise Spinoza, seinein innersten Wesennach, nur ein Deutscher sein kann und mit Stolz nennen wirJenny Lind die Unsere! Juble, Uckermark, auch du hast teil andiesem Ruhme! Springe, Maßmann, deine vaterländisch freudigstenSprünge, denn unsere Jenny spricht kein römisches Notwelsch, sondernGotisch, Skandinavisch, das deutscheste Deutsch, und du kannst sie alsLandsmännin begrüßen; nur mußt du dich waschen, ehe du ihrdeine deutsche Hand reichst. Ja, Jenny Lind ist eine Deutsche, schonder Name Lind mahnt an Linden, die grünen Muhmen der deutschenEichen, sie hat keine schwarzen Haare wie die welschen Primadonnen,in ihren blauen Augen schwimmt nordisches Gemüt und Mondschein,