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10 (1898) Französische Zustände : 2
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288 Französische Zustande. II.

zu versetzen. Jüngst fand ihn jemand in den vberen Sälen desLouvre, wo die ägyptischen Antiquitäten aufgestellt. Der RitterSpontini stand wie eine Bildsäule mit verschlungenen Armen fasteine Stunde lang vor einer großen Mnmic, deren prächtige Goldlarvceinen König ankündigt, der kein Geringerer sein soll, als jenerAmenophes, unter dessen Regierung die Kinder Israel das LandÄgypten verlassen haben. Aber Spontini brach am Ende sein Schweigen,und sprach folgendermaßen zn seiner erlauchten Mitmnmic:Unseliger Pharao! du bist an meinem Unglück schuld. Ließest du dieKinder Israel nicht aus dem Lande Ägypten fortziehen, oder hättest dusie sämtlich im Nil ersäufen lassen, so wäre ich nicht durch Mcycrbcerund Mendelssohn aus Berlin verdrängt worden, und ich dirigiertedort noch immer die große Oper und die Hofkonzerte. UnseligerPharao, schwacher Krokvdilcnkönig, durch deine halben Maßregelngeschah es, daß ich jetzt ein zu Grunde gerichteter Mann bin undMoses und Halsvy und Mendelssohn und Meyerbecr haben gesiegt!"Solche Reden hält der nngliickliche Mann, und wir können ihm unserMitleid nicht versagen.

Was Meyerbeer betrifft, so wird, wie oben angedeutet, seinProphet" noch lange Zeit ausbleiben. Er selbst aber wird nicht,wie die Zeitungen jüngst meldeten, für immer in Berlin seinenAufenthalt nehmen. Er wird, wie bisher, abwechselnd die eine Hälftedes Jahres hier in Paris und die andere in Berlin zubringen, wozuer sich förmlich verpflichtet hat. Seine Lage erinnert so ziemlich anProserpina, nur daß der arme Maestro hier wie dort seine Höllcn-qunl findet. Wir erwarten ihn noch diesen Sommer hier, in derschönen Unterwelt, wo schon einige Schock musikalischer Teufel undTenfelinnen seiner harren, um ihm die Ohren voll zu heulen. Bonmorgens bis abends muß er Sänger und Sängerinnen anhören,die hier debütieren wollen, und in seinen Freistunden beschäftigenihn die Albums reisender Engländerinnen. Wie ich höre, wird nächstenWinter bei den Italienern derCrociatv" gegeben, und die Umarbeitung, wozu sich Mcycrbeer bereden ließ, dürste wohl etwelcheneue Teufeleien für ihn hervorrufen. Jedenfalls aber wird er sichnicht wie im Himmel fühlen, wenn er jetzt dieHugenotten" hieraufführen sieht, die noch immer dazu dienen müssen, die Kasse zufüllen nach jedem Unfall. Es sind in der That nurDie Hugenotten"undRobert le Diable", die wahrhaft fortleben im Gemüt desPublikums, und diese Meisterwerke werden noch lange herrschen.

An Debütanten war diesen Winter in der großen Oper keinMangel. Ein deutscher Landsmann debütierte als Marcel in denHugenotten". Er war vielleicht in Deutschland nur ein Grobianmit einer brummigen Bierstimme, und glaubte deshalb in Paris alsBassist auftreten zu können. Der Kerl schrie wie ein Waldesel. Auch