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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
287
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Musikalische Berichte aus Paris. 287

Es ist in der Dhat unser ehemaliger Generaldirektor der Berlinergroßen Oper, der Komponist derBestnlin" und desFerdinandCortez", zweier Prachtwerke, die noch lange fortblühen werden imGedächtnisse der Menschen, die man noch lange bewundern wirdswährend der Verfasser selbst alle Bewunderung eingebüßt nnd nurnoch ein welkes Gespenst ist, das neidisch nmherspukt und sich ärgertüber das Leben der Lebendigen. Er kann sich nicht darüber trösten,daß er längst tot ist und sein Hcrrscherstab übergegangen in dieHände Meycrbecrs. Dieser, behauptet der Verstorbene, habe ihn vcr-drängt aus seinem Berlin, das er immer so sehr geliebt; und weraus Mitleid für ehemalige Große die Geduld hat, ihn anzuhören,kann haarklein erfahre», wie er schon unzählige Aktenstücke gesammelt,um die Mcherbeerschen Nerschwörungsintriguen zu enthüllen. Mansagt mir, deutsche Gutmütigkeit habe schon ihre Feder dazu hergegeben,jene Bcweistnmer der Narrheit zu redigieren.

Die fixe Idee des armen Mannes ist und bleibt Meherbeer,nnd man erzählt die ergötzlichsten Geschichten, wie die Animosität sichimmer durch eine zu große Beimischung von Eitelkeit unschädlicherweist. Klagt irgend ein Schriftsteller über Meherbeer, daß dieserz. B. die Gedichte, die er ihm schon seit Jahren zugeschickt, noch immernicht komponiert habe, dann ergreift Spontini hastig die Hand desverletzten Poeten, nnd ruft: .Rai votrs uffairs, ich weiß das Mittel,wie Sie sich an Meherbeer rächen können, es ist ein untrüglichesMittel, und cS besteht darin, daß Sic über mich einen großen Artikelschreiben, nnd je höher Sie meine Verdienste würdigen, desto mehrärgert sich Meherbeer." Ein andermal ist ein französischer Ministerungehalten über den Verfasser derHugenotten", der trotz der Urbanität,womit man ihn hier behandelt hat, dennoch in Berlin eine servileHofcharge übernommen, und unser Spontini springt freudig an denMinister hinan und ruft: .Rai votrs ntkairs, Sie können den Un-dankbaren aufs härteste bestrafen, Sie können ihm einen Dolchstichversetzen, und zwar indem Sie mich zum Großoffizier der Ehrenlegionernennen." Jüngst findet Spontini den armen Leon Pillet, denunglücklichen Direktor der großen Oper, in der wütendsten Aufregunggegen Meherbeer, der ihm durch Mr. Gouin anzeigen ließ, daß erwegen deS schlechten Singpersonals denPropheten" noch nicht gebenwolle. Wie funkelten da die Augen des Italieners! .Rai votrsatkairs,' rief er entzückt,ich will Ihnen einen göttlichen Rat geben,wie Sie den Ehrgeizling zu Tode demütigen; lassen Sie mich inLebensgröße meißeln, setzen Sic meine Statue ins Foher der Oper,und dieser Marmorblock wird dem Meherbeer wie ein Alp das Herzzerdrücken." Der Gemütszustand Spontinis beginnt nachgerade seineAngehörigen, namentlich die Familie des reichen PianofabrikantenErard, womit er durch seine Gattin verschwägert, in große Besorgnisse