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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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284 Französische Auslände. 41.

Die Violinisten sind in Amerika, und mir erhielten die ergötzlichsten Nachrichten über die Triumphzüge von Ole Lull, dem Lafahettedes Puffs, dem Reklamcnheld beider Welten. Der Entrepreneur seinerSuccesse ließ ihn zu Philadelphia arretieren, mit ihn zu zwingen,die in Rechnung gestellten Ovationskosten zu berichtigen. Der Gcstierte zahlte, und man kann jetzt nicht mehr sagen, daß der blondeNormanne, der geniale Geiger, seinen Ruhm jemandem schuldig sei.Hier in Paris hörten mir unterdessen den Sivori; Porzia würdesagen:Da ihn der liebe Gott für einen Mann ausgiebt, so will ichihn dafür nehmen." Ein andermal überwinde ich vielleicht meinMißbehagen, um über dieses geigende Brechpnlvcr zu referieren.Alexandre Batta hat auch dieses Jahr ein schönes Konzert gegeben;er weint noch immer auf dem großen Violoncello seine kleinen Kinderthronen. Bei dieser Gelegenheit könnte ich auch Herrn Semmelmann loben; er hat es nötig.

Ernst war hier. Der wollte aber aus Laune kein Konzert geben;er gefällt sich darin, bloß bei Freunden zu spielen und den wahrHaft Kunstverständigen zu genügen. Dieser Künstler wird hier ge-liebt und geachtet wie wenige. Er verdient es. Er ist der wahreNachfolger Paganinis, er erbte die bezaubernde Geige, womit derGenucser die Steine, ja sogar die Klötze zu rühren wußte. Paganini,der unS mit leisem Bogenstrich jetzt zu den sonnigsten Höhen führte,jetzt in grauenvolle Tiefen blicken ließ, besaß freilich eine weit dämonischere Kraft; aber seine Schatten und Lichter waren mitunter zugrell, die Kontraste zu schneidend, und seine grandiosesten Natnrlautcmußten oft als künstlerische Mißgriffe betrachtet werden. Ernst istharmonischer, und die weichen Tinten sind bei ihm vorherrschend.Dennoch hat er eine Vorliebe für das Phantastische, auch für daSBarocke, wo nicht gar für das Skurile, und viele seiner Kompositionenerinnern mich immer an die Märcheukomödien des Gozzi, andie abenteuerlichsten Maskenspiele, anvenezianischen Karneval".Das Musikstück, das unter diesem Namen bekannt ist und nnverschämterwcise von Sivori gekapert ward, ist ein allerliebstes Capricciovon Ernst. Dieser Liebhaber des Phantastischen kann, wenn er will,auch rein poetisch sein, und ich habe jüngst eine Nokturnc von ihmgehört, die wie aufgelöst war in Schönheit. Man glaubte sich entrückt in eine italienische Mondnacht, mit stillen Cypressenalleen,schimmernd weißen Statuen und träumerisch plätschernden Spring-brunnen. Ernst hat, wie bekannt ist, in Hannover seine Entlassunggenommen und ist nicht mehr königlich hannövcrschcr Konzertmeister.Das war auch kein passender Platz für ihn. Er wäre weit ehergeeignet, am Hofe irgend einer Feenkönigiu, wie z.B. der FrauMorgane, die Kammermusik zu leiten; hier fände er ein Auditorium,das ihn am besten verstände, und darunter manche hohe Herrschaften,