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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Musikalische Berichte aus Paris.

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der Saison geklärten die Debüts des jungen Mathias; Talent hohenRanges. Die älteren Pharaonen werden täglich mehr überflügeltund versinken in mutloser Dunkelheit.

Als gewissenhafter Berichterstatter, der nicht bloß von neuenOpern und Konzerten, sondern auch von allen andern Katastrophender musikalischen Welt zu berichten hat, muß ich auch von den vielenVerheiratungen reden, die darin zum Ausbruch gekommen oder aus-zubrechen drohen. Ich rede von wirklichen, lebenslänglichen, höchstanständigen Heiraten, nicht von dem wilden Ehe-Dilettantismus, derdes Maires mit der dreifarbigen Schärpe und des Segens der Kircheentbehrt. Oimeun sucht seht seine (lbnenns. Die Herren Künstlertänzeln einher auf Freiersfüßen und trällern Hymenäen. Die Violineverschwägert sich mit der Flöte; die Hornmusik wird nicht ausbleiben.Einer der drei berühmtesten Pianisten vermählte sich unlängst mitder Tochter des in jeder Hinsicht größten Bassisten der italienischenOper; die Dame ist schön, anmutig und geistreich. Vor einigenTagen erfuhren wir, daß noch ein anderer ausgezeichneter Pianistano,Warschan in den heiligen Ehestand trete, daß auch er sich Hinans-wage auf jenes hohe Meer, für welches noch kein Kompaß erfundenworden.*) Immerhin, kühner Segler, stoß ab vom Lande, und mögekein Sturm dein Nnder brechen! Jetzt heißt eS sogar, daß Panofka,der größte Violinist, den Breslau »ach Paris geschickt, sich hier ver-heiratet, daß auch dieser Fiedelknndige seines ruhigen Junggesellen-tnms überdrüssig geworden und das furchtbare, unbekannte Jenseitsversuchen wolle. Wir leben in einer heldenmütigen Periode. DieserTage verlobte sich ein ebenfalls berühmter Virtuos. Er hat, wieThesens, eine schöne Ariadne gefunden, die ihn durch das Labyrinthdieses Lebens leiten wird; an einem Garnknäuel fehlt es ihr nicht,denn sie ist eine Näherin.

') In der AugSbnrger Allgemeinen Zeitung lautet der Ansang dieses Ab-satzes, wie folgt' „Als gewissenhafter Berichterstatter muß ich hier die Konzerteerwähnen, womit die beiden musikalischen Zeitungen, die „Gazette musicale" desHerrn Moritz Schlesinger, und die „France musicale" der Herren EScudier, ihreAbonnenten erfreuten. Wir hörten hier besonders hübsche und doch gute Sänge-rinnen c Madame Sabotier, Madcmoiscllc Lia Duport und Madame Castcllan.Da diese Konzerte gratis gegeben worden, so waren die Ansordernngen des Publi-kums desto strenger c sie wurden aber reichlich befriedigt. Mit Bergungen meldeich hier die wichtige Nachricht, dar der siebenjährige Krieg zwischen den erwähntenzwei musikalischen Zeitschriften und ihren Rcdactenrcn, gottlob! zu Ende ist. Dieedlen Kämpfer haben sich zum FricdenSbündnis die Hände gereicht und sind setztgute Freunde. Diese Freundschaft wird dauernd sein, da sie ans wechselseitigeAchtung gegründet ist. Das Projekt einer Vcrschwägerung zwischen beiden hohenHänsern war nur die müßige Erfindung kleiner Journale. Die Ehe, und zwardie lebenslängliche Ehe, ist jetzt in der Knnstwelt das TagcSthema. Thalbcrg ver-mählte sich unlängst mit der Tochter von Lablache, einer ausgezeichnet anmutigenund geistreichen Tamc. Vor einigen Tagen erfuhren wir, daß auch unser vor-trefflicher Eduard Wolf sich verheirate, daß er sich hinauswage auf jenes hoheMeer, für welches noch kein Kompaß erfunden ist." Der Herausgeber.

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