282 Französische Zustünde, 71,
zählt wird. Der berühmte Sänger hatte nämlich in Verbindung mitFranz Liszt eine Kunstreise auf gemeinschaftliche Kasten unternommen,und der Profit der Konzerte, die man in verschiedenen Städten gebenwollte, sollte geteilt werden. Der große Pianist, der überall denGeneralintendanten seiner Berühmtheit, den schon erwähnten SignorBelloni, mit sich herumführt, übertrug demselben bei dieser Gelegen-heit alles Geschäftliche, Als der Signor Belloni aber nach beendigterGeschäftsführung seine Rechnung eingab, bemerkte Rubini mit Enisetzen, daß unter den gemeinsamen Ausgaben auch eine bedeutendeSumme für Lorbeerkränze, Blumenbouquets, Lobgedichte und sonstigeOvationskosten angesetzt war. Der naive Sänger hatte sich eingebildet, daß man ihm seiner schönen Stimme wegen solche Beisalls-zeichen zugeschmissen, er geriet jetzt in großen Zorn und wolltedurchaus nicht die Bonquets bezahlen, worin sich vielleicht die kost-barsten Kamelien befanden, Wttr' ich ein Musiker, dieser Zwist bötemir das beste Süjet einer komischen Oper,
Aber ach! laßt uns die Huldigungen, welche die berühmtenVirtuosen einernten, nicht allzu genau untersuchen, Ist doch derTag ihrer eitlen Berühmtheit sehr kurz, und die Stunde schlägt bald,Ivo der Titane der Tonkunst vielleicht zu einem Stadlmnsikus vonsehr untergesetzter Statur zusammenschrumpft, der in seinem Kaffee-hause den Stammgästen erzählt und auf seine Ehre versichert, wieman ihm einst Blumenbouquets von den schönsten Kamelien zuge-schleudert, und wie sogar einmal zwei ungarische Gräfinnen, um seinSchnupftuch zu erhaschen, sich selbst zur Erde geschmissen und blutiggerauft haben! Die Eintagsrepntation der Virtuosen verdünstct undverhallt, öde, spurlos, wie der Wind eines Kameles in der Wüste,
Der Übergang vom Löwen zum Kaninchen ist etwas schroff.Dennoch darf ich hier jene zahmeren Klavierspieler nicht unbeachtetlassen, die in der diesjährigen Saison sich ausgezeichnet. Wir könnennicht alle große Propheten sein, und es muß auch kleine Prophetengeben, wovon zwölf auf ein Dutzend gehen. Als den größten unterden kleinen nennen wir hier Theodor Döhler, Sein Spiel ist nett,hübsch, artig, empfindsam, und er hat eine ganz eigentümliche Manier,mit der wagerccht ausgestreckten Hand bloß durch die gebogenenFingerspitzen die Tasten anzuschlagen. Nach Döhler verdient Halleunter den kleinen Propheten eine besondere Erwähnung; er ist einHabakuk von ebenso bescheidenem wie wahrem Verdienst, Ich kannnicht umhin, hier auch des Herrn Schad zu erwähnen, der unter denKlavierspielern vielleicht denselben Rang einnimmt, den nur demJonas unter den Propheten einräumen; möge ihn nie ein Walfischverschlucken! Ein ganz vorzügliches Konzert gab Herr Antoniede Kontski, ein junger Pole von ehrenwertem Talente, der auchschon seine Celcbrität erworben. Zu den merkwürdigen Erscheinungen