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10 (1898) Französische Zustände : 2
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270 Französische Zustände. H.

äußeren Austreten, ob seinem feinen geschniegelten Wesen, ob seinerGlätte und Süßlichkeit, ob der ganzen marzipancneu Erscheinung,die jedoch für den ruhigen Beobachter durch manche unwillkürlicheBcrliuismcn der niedrigsten Klasse einen etwas schäbigen Beisah hat,so daß Korcff ebenso witzig als richtig von dem Manne sagen konnte:„Er sieht aus wie ein Bonbon, der in den Dreck gefallen."

Ein Zeitgenosse des Herrn Kalkbrenncr ist Herr Pixis, undobgleich er von untergeordneterem Range, wollen wir doch hier alsKuriosität seiner erwähnen. Aber ist Herr Pixis wirklich noch amLeben? Er selber behauptet es und beruft sich dabei ans das Zeugnisdes Herrn Sina, des berühmten Badegastes von Boulognc, den mannicht mit dem Berg Sinai verwechseln darf. Wir wollen diesembraven Wellenbändiger Glauben schenken, obgleich manche böse Zungensogar versichern, Herr Pixis habe nie existiert. Nein, letzterer istein Mensch, der wirklich lebt; ich sage Mensch, obgleich ein Zoologeihm einen geschwänzteren Namen erteilen würde. Herr Pixis kamnach Paris schon zur Zeit der Invasion, in dem Augenblick, wo derbelvedcrische Apoll den Römern wieder ausgeliefert wurde und Parisverlassen mußte. Die Acguisition des Herrn Pixis sollte den Franzoseneinigen Ersatz bieten. Er spielte Klavier, komponierte auch sehrniedlich, und seine musikalischen Stückchen wurden ganz besondersgeschätzt von den Vogelhändieru, welche Kanarienvögel ans Drehorgeln zum Gesänge abrichten. Diesen gelben Dingern brauchte maneine Komposition des Herrn Pixis nur einmal vorzuleiern, und siebegriffen sie auf der Stelle und zwitscherten sie nach, daß es eineFreude war und jedermann applaudierte: „Pixissime!" Seitdem dieälteren Bvurboncn vom Schauplatz abgetreten, wird nicht mehr„Pixissime" gerufen: die neuen Saugvögel verlangen neue Melodien.*)Durch seine äußere Erscheinung, die physische, macht sich Herr Pixisnoch einigermaßen geltend; er hat nämlich die größte Nase in dermusikalischen Welt, und um diese Specialität recht auffallend bemerkbar zu machen, zeigt er sich oft in Gesellschaft eines Romanzenkomponisteu, der gar keine Nase hat und deswegen jüngst den Ordender Ehrenlegion erhalten hat, denn gewiß nicht seiner Musik wegen istHerr Pnnseron solchermaßen dekoriert worden. Man sagt, daß derselbeauch zum Direktor der großen Oper ernannt werden solle, iveil ernämlich der einzige Mensch sei, von dem nicht zu befürchten stehe, daßihn der Maestro Giacomv Meyerbcer an der Rase herumziehen werde.

") Der später von Heine geänderte Schlich dieses Absahcs lantcte in dem mirvorliegenden Originalmanuskript ursprünglich, wie folgt: „und wie Kalkbrcnnerist auch Herr Pixis eine arme Mumie, und zwar die Mumie eines Ibis. Derlange Schnabel des Ibis bietet in der That die größte Ähnlichkeit mit jener fabevhast langen PixiSnasc, welche zu de» Merkwürdigkeiten der musikalischen Weltgehört und die Zielscheibe so vieler schlechten Spähe geworden: in dieser Beziehungmuhte ich ihrer einmal erwähnen." Der Herausgeber.