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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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269
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Musikalische Berichte ans Paris. 269

ziiriickgekchrt*) »nd wir jetzt wohl nicht mehr an die geheime Sageglauben dürfen, als habe Herr Kalkbrcnncr England so lange gemieden wegen der dortigen ungesunden Gesetzgebung, die das galanteVergehen der Bigamie mit dem Strange bestrafe. Wir können daherannehmen, daß jene Sage ein Märchen war, denn es ist eine That-sache, daß Herr .Üalkbrenncr zurückgekehrt ist zu seinen hiesigen Ver-chrcrn, zu den schönen FortcpianvS, die er in Compagnie mitHerrn Pleyel fabriziert, zu seinen Schülerinnen, die sich alle zuseinen Meisterinnen im französischen Sinne des Wortes ausbilden,zu seiner Gemäldesammlung, welche, wie er behauptet, kein Fürst be-zahlen könne, zu seinem hoffnungsvollen Sohne, welcher in der Be-scheidenheit bereits seinen Vater übertrifft, und zu der braven Fisch-händlerin, die ihm den famosen Türbvt überließ, den der Oberkvchdes Fürsten von Benevent, Talleyrand Perigord, ehemaligen Bischofsvon Antun, für seinen Herrn bereits bestellt hatte. — Die Poissardesträubte sich lange, dem berühmten Pianisten, der inkognito auf denFischmarkt gegangen war, den besagten Türbot zu überlassen, dochals crsterer seine Karte hervorzog, sie ans den letzteren niederlegteund die arme Frau den Namen Kalkbrcuncr las, befahl sie auf derStelle, den Fisch nach seiner Wohnung zu bringen, und sie war langenicht zu bewegen, irgend eine Zahlung anzunehmen, hinlänglich be-zahlt, wie sie sei, durch die große Ehre. Deutsche Stockfische ärgernsich über eine solche Fischgeschichtc, weil sie selbst nicht im stände sind,ibr Selbstbewußtsein in solcher billantcn Weise geltend zu macheu,und weil sie Herrn Kalkbrenner überdies beneiden ob seinem eleganten

*) Die nachfolgende Stelle lantet in der französischen Ausgabe: „und daßseine Anwesenheit in Paris allen finsteren und verleumderischen Gerüchten, dieüber ihn in Umlauf waren, ein Dementi erteilt. Er ist mit heilem Halse zurück-gekehrt, die Taschen voll Guineen und den Kopf leerer als je. Triumphierendkehrt er zurück, und er erzählt uns, wie Ihre Majestät die Königin von Englandentzückt war, ihn so wohl zu sehen, und wie sie sich geschmeichelt fühlte durchseinen Besuch zu Windsor oder in einem andern Schlosse, dessen Name mir ent-fallen. Ja, der große Kalkbrenner ist mit heilem Halse nach seiner Pariser Residenzzurückgekehrt, zu seinen Verehrern, seinen schönen Pianofortes, die er in Com-pagnie mit Herrn Plehel fabriziert, zu seineu zahlreichen Schülern, die ans allenKünstlern bestehen, mit denen er nur ein einzig Mal in seinein Leben gesprochen,und zu seiner Gemäldesammlung, welche, wie er behauptet, kein Fürst bezahlentonne. Es versteht sich von selbst, daß er hier auch den kleinen achtjährigen Jungenwiedergefunden, den er seinen Herrn Sohn benamst, und dem er noch mehr musi-talisches Talent als sich selber zuerkennt, indem er ihn über Mozart stellt. Dieslvmphatische, kränklich aufgeblasene Männlein, das auf jeden Fall in der Be-scheidenheit bereits seinen Bater übertrifft, hört sein eigenes Lob mit der uner-schütterlichsten Kaltblütigkeit an' und mit dem Air eines gelangwcilten, derEhrenbezeigungen der Welt überdrüssigen Greises erzählt er selbst von seinen Er-folgen bei Hofe, wo die schönen Prinzessinnen ihm das weiße Händchen geküßt.Die Arroganz dieses Kleinen, dieses blasierten Fötus, ist ebenso widerwärtig alskomisch. Ich weiß nicht, ob Herr Kalkbrenner in Paris gleichfalls die brave Fisch-Händlerin wiedergefunden, die ihm einst den famosen Türbvt überließ 2c."

Der Herausgeber.