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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Musikalische Berichte a»S Paris.

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mechanischer Fingerfertigkeit und bloßer Technik, wie bei den Pianisten.Die Violine ist ein Instrument, welches fast menschliche Launen hatund mit der Stimmung des Spielers, sozusagen, in einem sym-pathischen Rapport steht; das geringste Mißbehagen, die leiseste Gc-miitserschiilterung, ein Gcsiihlshauch, findet hier einen unmittelbarenWiederhat!, und das kommt wohl daher, weil die Violine, so ganznahe an unsere Brust gedrückt, auch unser Herzklopfen vernimmt.Dies ist jedoch nur bei Künstlern der Fall, die wirklich ein Herz inder Brust tragen, welches klopft, die überhaupt eine Seele haben.Je nüchterner und herzloser der Violinspieler, desto gleichförmigerwird immer seine Exekution sein, und er kann auf den Gehorsamseiner Fiedel rechnen, zu jeder Stunde, an jedem Orte. Aber diesegepriesene Sicherheit ist doch nur das Ergebnis einer geistigen Be-schränktheit, und eben die größten Meister waren es, deren Spielnicht abhängig gewesen von äußeren und inneren Einflüssen. Ichhabe niemand besser, aber auch zuzeiten niemand schlechter spielengehört als Paganini, und dasselbe kann ich von Ernst rühmen. Dieserletztere, Ernst, vielleicht der größte Vivlinspieler unserer Tage, gleichtdem Paganini auch in seinen Gebrechen, wie in seiner Genialität.Ernsts Abwesenheit ward hier diesen Winter sehr bedauert von allenMusikfreunden, welche die Höhen der Kunst zu schätzen wissen. SignvrSivvri war ein sehr matter Ersatz, doch wir haben ihn mit großemVergnügen gehört. Da er in Genna geboren ist und vielleicht alsKind in den engen Straßen seiner Vaterstadt, Ivo man sich nichtausweichen kann, dem Paganini zuweilen begegnete, hat man ihnhier für einen Schüler desselben proklamiert. Ncsin, Paganini hattenie einen Schüler, konnte keinen haben, denn das Beste, was erwußte, das, waS dnS Höchste in der Kunst ist, das läßt sich wederlehren noch lernen.

Was ist in der Kunst das Höchste? Das, was auch in allenandern Manifestationen des Lebens das Höchste ist: die selbstbewußteFreiheit des Geistes. Nicht bloß ein Musikstück, daS in der Füllejenes Selbstbewußtseins komponiert worden, sondern auch der bloßeVortrag desselben kann als daS künstlerisch Höchste betrachtet werden,wenn uns daraus jener wundersame Unendlichkeitshauch anweht, derunmittelbar bekundet, daß der Exekutant mit dem Komponisten aufderselben freien Geisteshöhe steht, daß er ebenfalls ein Freier ist. Ja,dieses Selbstbewußtsein der Freiheit in der Kunst offenbart sich ganzbesonders durch die Behandlung, durch die Form, in keinem Falledurch den Stoff, und wir können im Gegenteil behaupten, daß dieKünstler, welche die Freiheit selbst und die Befreiung zu ihrem Stoffegewählt, gewöhnlich von beschränktem, gefesseltem Geiste, wirklich Un-freie sind. Diese Bemerkung bewährt sich heutigcstags ganz be-sonders in der deutschen Dichtkunst, wo wir mit Schrecken sehen, daß