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10 (1898) Französische Zustände : 2
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26k Französische Zustände. II.

sonders in Beziehung auf die berühmten Virtuosen. Berühmt sindsie eigentlich alle, nämlich in den Reklamen, die sie höchstselbst oderdurch einen Bruder oder durch ihre Frau Mutter zum Druck be-fördern. Es ist kaum glaublich, wie demütig sie in den Zeitungs-bnreaux um die geringste Lvbspeude betteln, wie sie sich krümmen undwinden. Als ich noch bei dein Direktor der ,(Ia.2stts nrusioalg" ingroßer Gunst stand — fach! ich habe sie durch jugendlichen Leicht-sinn verscherzt) — konnte ich so recht mit eigenen Augen ansehen,wie ihm jene Berühmten unterthänig zu Füßen lagen und vor ihmkrochen und wedelten, um in seinem Journale ein bißchen gelobt zuwerden; und von unseren hochgefcierten Virtuosen, die wie siegreicheFürsten in allen Hauptstädten Europas sich huldigen lassen, könnteman wohl in Berangers Weise sagen, daß aus ihren Lorbeerkronennoch der Staub von Moritz Schlesingers Stiefeln sichtbar ist. Wiediese Leute auf unsere Leichtgläubigkeit spekulieren, davon hat mankeinen Begriff, wenn man nicht hier an Ort und Stelle die Betrieb-samkeit ansieht. In dem Bureau der erwähnten musikalischen Zeitungbegegnete ich einmal einem zerlumpten alten Mann, der sich als denVater eines berühmten Virtuosen ankündigte und die Rcdactvrcn desJournals bat, eine Reklame abzudrucken, worin einige edle Züge ansdem Knnstleben seines Sohnes zur Kenntnis des Publikums gebrachtwurden. Der Berühmte hat nämlich irgendwo in Südfrankrcich mitkolossalem Beifall ein Konzert gegeben und mit dem Ertrag eine denEinsturz drohende altgotischc Kirche unterstützt; ein andermal hater für eine überschwemmte Witwe gespielt oder auch für einen siebzigjährigen Schulmeister, der seine einzige Kuh verloren u. s. w. Imlängeren Gespräche mit dem Vater jenes Wohlthäters der Menschheitgestand der Alte ganz naiv, daß sein Herr Sohn freilich nicht so vielfür ihn Ihne, wie er wohl vermöchte, und daß er ihn manchmal sogarein klein bißchen darben lasse. Ich möchte dem Berühmten anraten,auch einmal für die baufälligen Hosen seines alten Vaters einKvnzert zu geben.

Wenn man diese Misere angesehen, kann man wahrlich denschwedischen Studenten nicht mehr grollen, die sich etwas allzu starkgegen den Unfug der Virtnosenvergöttcrnng ausgesprochen und deinberühmten Ole Bull bei seiner Ankunft in Upsala die bekannteOvation bereiteten. Der Gefeierte glaubte schon, man würde ihmdie Pferde ausspannen, machte sich schon gefaßt ans Fackelzug undBlumenkränze, als er eine ganz unerwartete Tracht Ehrenprügelbekam, eine wahrhaft nordische Surprise.

Die Matadoren der diesjährigen Saison waren die Herren Sivoriund Drehschock. Elfterer ist ein Geiger, und schon als solchen stelleich ihn über letzteren, den furchtbaren Klavierschläger. Bei denViolinisten ist überhaupt die Virtuosität nicht ganz und gar Resultat