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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Musikalische Berichte aus Paris. 261

als schmerzensreiche Mutter, mehrere Schwerter mit vergoldeten Heftenau der Brust trug und fast in Thräueu zerfloß — ein Bild tiefsterBetrübnis. Andere kleine Knaben, die hinterdrein gingen, stelltendie Apostel vor, darunter auch Judas, mit rotem Haar und einenBcntcl in der Hand. Ein paar Bübchen waren auch als römischeLandsknechte behelmt und bewehrt und schwangen ihre Säbel. MehrereKinder trugen Ordenshabit und Kirchenornat; kleine Kapuziner, kleineJesuitchen, kleine Bischöfe mit Insul und Krummstab, allerliebsteMünchen, gewiß keines über sechs Jahr alt. Und sonderbar, eswaren darunter auch einige Kinder als Amoretten gekleidet, mitseidenen Flügeln und goldenen Köchern, und in der unmittelbarstenNähe des kleinen Heilands wackelten zwei noch viel kleinere, höchstensvierjährige Geschöpschen in altfränkischer Schäfertracht, mit bebänder-ten Hütchen und Stäben, zum Küssen niedlich, wie Marzipanpüppchen;sie repräsentierten wahrscheinlich die Hirten, die an der Krippe desChristkindes gestanden. Sollte man es aber glauben, dieser Anblickerregte in der Seele des Zuschauers die ernsthaft andächtigsten Ge-fühle, und daß es kleine unschuldige Kinder waren, die das größte,kolossalste Märthrcrtum trngierten, wirkte um so rührender! Das warkeine Nachäffung im historischen Großstil, keine schiefmäulige Frvmm-Ihnerei, keine Berliner Glaubenslüge: — das war der naivste Aus-druck des tiefsinnigsten Gedankens, und die herablassend kindliche Forinverhinderte eben, daß der Inhalt vernichtend aus unser Gemüt wirkteoder sich selbst vernichtete. Dieser Inhalt ist ja von so ungeheuer-licher Schmerzensgewalt und Erhabenheit, daß er die heroisch gran-dioseste und pathetisch ausgercckteste Darstellungsart überragt undsprengt. Deshalb haben die größte» Künstler sowohl in der Malereials in der Musik die überschwenglichen Schrecknisse der Passion mitso viel Blumen als möglich verlieblicht und den blutigen Ernst durchspielende Zärtlichkeit gemildert — und so that auch Rossini, als ersein Ltalzat inater komponierte.

Letzteres, das Ltalrat von Rossini, war die hervorragende Merk-würdigkeit der hingeschiedenen Saison, die Besprechung desselben istnoch immer an der Tagesordnung, und eben die Rügen, die vonnorddeutschem Standpunkt ans gegen den großen Meister laut werden,beurkunden recht schlagend die Ursprünglichkeit und Tiefe seinesGenius. Die Behandlung sei zu weltlich, zu sinnlich, zu spielend fürden geistlichen Stoff, sie sei zu leicht, zu angenehm, zu unterhaltend —so stöhnen die Klagen einiger schweren, langweiligen Kritikaster, die,wenn auch nicht absichtlich eine übertriebene Spiritualität erheucheln,doch jedenfalls von der heiligen Musik sehr beschränkte, sehr irrigeBegriffe sich angcquält. Wie bei den Malern, so herrscht auch beiden Musikern eine ganz falsche Ansicht über die Behandlung christ-licher Stoffe. Jene glauben, das wahrhast Christliche müsse in sub