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10 (1898) Französische Zustände : 2
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256 Französische Zustände. II.

unserer Betrachtung. Da müssen wir nun zunächst von der ^.os,-äsiuis rozwls äs mnsiguv reden, wo noch immer jenes ehrwürdigeLorps äs Lullst existiert, daS die choreographischen Überlieferungentreulich bewahrt und als die Pairie des Tanzes zu betrachten ist.Wie jene andere, die im Lnxembvurg residiert, zählt diese Pairieunter ihrem Personal gar viele Perücken und Mumien, über die ichmich nicht aussprechen will aus leicht begreiflicher Furcht. DasMißgeschick des Herrn Perrü, des Geranien des Steele, der jüngstzu sechs Monaten Karzer und IVO 666 Frank verurteilt worden,hat mich gewitzigt. Nur von Carlotta Grisi will ich reden, die inder respektablen Versammlung der Rue-Lcpclletier gar wunderlieblichhervorstrahlt, wie eine Apfelsine unter Kartoffeln. Nächst dem gliick-lichen Stoff, der den Schriften eines deutschen Autors cutlehnt, wares zumeist die Carlotta Grisi, die dem Ballett! „Die Willi" eineunerhörte Vogue verschaffte. Aber wie köstlich tanzt sie! Wenn mansie sieht, vergißt man, daß Taglivni in Nußland und ElSler inAmerika ist, man vergißt Amerika und Rußland selbst, ja die ganzeErde, und man schwebt mit ihr empor in die hängenden Zaubergärten jenes Geisterreichs, worin sie als Königin waltet. In, siehat ganz den Charakter jener Elementargeistcr, die wir uns immertanzend denken, und von deren gewaltigen Tanzweisen das Volk soviel Wunderliches fabelt. In der Sage von den Willis ward jenegeheimnisvolle, rasende, mitunter mcnschcnvcrdcrblichc Tanzlust, dieden Elementargeistern eigen ist, auch auf die toten Bräute übertragen; zu dem altheidnisch übermütigen Lustreiz des Nixen- undElfentums gesellten sich noch die melancholisch wollüstigen Schauer,das dunkelsüße Grausen des mittelalterlichen GespensterglanbcnS.

Entspricht die Musik dem abenteuerlichen Stoffe jenes Balletts?War Herr Adam, der die Musik geliefert, fähig Tanzweisen zu dichte»,die, wie es in der Vvlkssage heißt, die Bäume dcS Waldes zumHüpfeu und den Wasserfall zum Stillstehen zwingen? Herr Adamwar, soviel ich weiß, in Norwegen, aber ich zweifle, ob ihm dortirgend ein rnncnkundiger Zauberer jene Strömkarlmclodie gelehrt,wovon man nur zehn Variationen aufzuspielen wagt; es gicbt nämlichnoch eine elfte Variation, die großes Unglück anrichten könnte —spielt man diese, so gerät die ganze Natur in Aufruhr, die Bergeund Felsen fangen an zu tanzen, die Häuser tanzen, und drinnentanzen Tisch und Stühle, der Großvater ergreift die Großmutter,der Hund ergreift die Katze zum Tanzen, selbst das Kind springtaus der Wiege und tanzt. Nein, solche gewaltthätige Melodien hatHerr Adam nicht von seiner nordischen Reise heimgebracht; aber waser geliefert, ist immer ehrenwert, und er behauptet eine ausgezeichneteStellung unter den Tondichtern der französischen Schule.

Ich kann nicht umhin hier zu erwähnen, daß die christliche Kirche,