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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Musikalische Berichte aus Paris. 288

nur er kann das ungeheure Orchester dieses Ruhmes dirigieren —er nickt mit dem Haupte, und alle Posaunen der großen Journaleertönen unisono; er zwinkert mit den Augen, und alle Violinendes Lobes fiedeln um die Wette; er bewegt nur leise den linkenNasenflügel, und alle Feuilleton-Flageolette flöten ihre süßestenSchmeichellaute. — Da giebt es auch unerhörte, autediluvianischeBlasinstrumente, Jerichotrvmpctcu und noch unentdecktc Windharfen,Saiteninstrumente der Zukunft, deren Anwendung die außerordent-lichste BegabniS für Instrumentation bekundet. — Ja, in so hohemGrade, wie unser Meyerbecr, oerstand sich noch kein Komponist aufdie Instrumentation, nämlich auf die Kunst, alle möglichen Menschenals Instrumente zu gebrauchen, die kleinsten wie die größten, unddurch ihr Zusammenwirken eine Übereinstimmung in der öffentlichenAnerkennung, die ans Fabelhafte grenzt, hervorzuzaubern. Das hatkein anderer jemals verstanden. Während die besten Opern vonMozart und Rossini bei der ersten Vorstellung durchfielen, und erstJahre vergingen, ehe sie wahrhaft gewürdigt wurden, finden dieMeisterwerke unseres edlen Mcherbeer bereits bei der ersten Auf-führung den ungeteiltesten Beifall, und schon den andern Tag liefernsämtliche Journale die verdienten Lob und Prcisartikcl. Das ge-schieht durch das harmonische Zusammenwirken der Instrumente; inder Melodie muß Mcherbeer den beiden genannten Meistern nachstehen, aber er überflügelt sie durch Instrumentation. Der Himmelweiß, daß er sich oft der niederträchtigsten Instrumente bedient; abervielleicht eben durch diese bringt er die großen Effekte hervor auf diegroße Menge, die ihn bewundert, anbetet, verehrt und sogar achtet.— Wer kann das Gegenteil beweisen? Von allen Seiten fliegen ihmdie Lorbeerkränze zu, er trägt auf dem Haupte einen ganzen Waldvon Lorbeeren, er weiß sie kaum mehr zu lassen und keucht unterdieser grünen Last. Er sollte sich einen kleinen Esel anschaffen, der,hinter ihm her traktierend, ihm die schweren Kränze nachtrüge. AberGouin ist eifersüchtig und leidet nicht, daß ihn ei» anderer begleite.

Ich kann nicht umhin hier ein geistreiches Wort zu erwähnen,das man dem Musiker Ferdinand Hiller zuschreibt. Als nämlichjemand denselben darüber befragte, was er von Meyerbeers Opernhalte, soll Hiller ausweichend verdrießlich geantwortet haben: „Ach,laßt uns nicht von Politik reden!"

Der Karneval in Paris.

Paris, den 7. Februar i84S.„Wir tan z en hier auf einem Vulkan" — aber wir tanze». Wasin dem Vulkan gärt, kocht und brauset, wollen wir heute nichtuntersuchen, und nur wie man darauf tanzt, sei der Gegenstand