Druckschrift 
10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

2Z2 Französische Zustände, II.

Lriginalnvten und vermehrt mit brillanten Druckfehlern, — DieGebrüder Franco-Mendez, welche auch dieses Jahr Konzerte gaben,wo sie ihr Talent als Violinspicler bewährten, stammen ganz eigent-lich aus dem Lande der Treckschuiten und Quispcldorchen, Dasselbegilt von Batta, dem Violoncellisten; er ist ein geborener Holländer,kam aber früh hierher nach Paris, Ivo er durch seiuc knabenhafteJugendlichkeit ganz besonders die Damen ergötzte. Er war ein liebesKind und weinte auf seiner Bratsche wie ein Kind, Obgleich ermittlerweile ein großer Junge geworden, so kann er doch die süßeGewohnheit des Greincns nimmermehr lassen, und als er jüngstwegen Unpäßlichkeit nicht öffentlich auftreten konnte, hieß es allgemein:durch das kindische Weinen auf dem Violoncello habe er sich endlicheine wirkliche Kinderkrankheit, ich glaube die Maseru, an den Halsgespielt. Er scheint jedoch wieder ganz hergestellt zu sein, und dieZeitungen melden, daß der berühmte Batta nächsten Donnerstag einemusikalische Matinee bereite, welche das Publikum für die langeEntbehrnis seines Lieblings entschädigen werde.

Das letzte Konzert, welche? Herr Maurice Schlesinger denAbonnenten seiner „Gazette mnsicale" gab, und das, wie ich bereitsangedeutet habe, zu den glänzendsten Erscheinungen der Saison ge-hörte, war für uns Deutsche von ganz besonderem Interesse, Auchwar hier die ganze Landsmannschaft vereinigt, begierig, die Mademoiselle Löwe zu hören, die gefeierte Sängerin, die das schone Liedvon Beethoven, „Adelaide", in deutscher Zuuge saug. Die Italienerund Herr Vienxtemps, welche ihre Mitwirkung versprochen, ließenwährend des Konzertes absagen, zur größten Bestürzung des Konzert-gebers, welcher mit der ihm eigentümlichen Würde vors Publikumtrat und erklärte, Herr Vienxtemps wolle nicht spielen, weil er daSLokal und das Publikum als seiner nicht angemessen betrachte! DieInsolenz jenes Geigers verdient die strengste Rüge, Das Lokal deSKonzertes war der Musardsche Saal der Rue Vivicnnc, Ivo mannur während des Karnevals ein bißchen Cancan tanzt, jedoch daSübrige Jahr hindurch die anständigste Musik von Mozart, GiacomoMcycrbeer und Beethoven exekutiert. Den italienischen Sängern,einem Signor Rnbini und Signor Lablachc, verzeiht man allenfallsihre Laune, von Nachtigallen kann mau sich wohl die Protrusiongefallen lassen, daß sie nur vor einem Publikum von Goldfasanenund Adlern singen wollen. Aber Mynheer, der flämische Storch, dürftenicht so ivtthlig sein und eine Gesellschaft verschmähen, worunter sich dashonetteste Geflügel, Pfauen und Perlhühner die Menge, und mitunterauch die ausgezeichnetsten deutschen Schnapphähuc und Mistfinken be-fanden, — Welcher Art war der Erfolg des Debüts der MademoiselleLöwe? Ich will die ganze Wahrheit kurz aussprechen: sie sang vor-trefflich, gefiel allen Deutschen, und machte Fiasko bei den Franzosen,