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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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251
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Musikalische Berichte aus Paris. 2Z1

liberalste belohnt. Die „France musicalc" preist ihn ebenfalls undniil gleicher Unparteilichkeit; diese Zeitschrift hegt einen blinden Grollgegen Liszt, und um indirekt diesen Löwen zu stacheln, lobt sie daskleine Kaninchen. Von welcher Bedeutung ist aber der wirkliche Wertdes berühmten Dohler? Die einen sagen, er sei der leiste unter denPianisten des zweiten Ranges; andere behaupten, unter den Pianistendes dritten Ranges sei er der erste! Er spielt in der That hübsch,nett nnd niedlich. Sxj„ Vortrag ist allerliebst, beurkundet eine er-staunliche Fingerfertigkeit, zeugt aber weder von Kraft noch von Geist.Zierliche Schwäche', elegante Ohnmacht, interessante Blässe.

Zu den diesjährigen Konzerten, die im Andenken der Kunstliebhnbcr forttönen, gehören die Matineen, welche von den Herausgcbern der beiden musikalischen Zeitungen ihren Abonnenten gebotenwurden. Die „France mnsicale", redigiert von den Brüdern Escndier,zwei liebenswürdigen, gescheiten und kunstsinnigen jungen Leuten,glänzte in ihrem Konzert durch die Mitwirkung der italienischenSänger nnd des Vivlinspielcrs Vieuxtemps, der als einer der Löwender musikalischen Saison betrachtet wurde. Ob sich unter dem zottigenFell dieses Löwen ein wirklicher König der Bestien oder nur einnrmeS Grauchen verbirgt, vermag ich nicht zu entscheiden. Ehrlichgesagt, ich kann den übertriebenen Lvbsprüchen, die ihm gezollt wurden,keinen Glanben schenken. Eo will mich bedünken, als ob er auf derLeiter der.Kunst noch nicht eine sonderliche Höhe erklommen. Vieuxtempssteht etwa ans der Mitte jener Leiter, auf deren Spitze wir einst Paganinierblickten, nnd ans deren letzter, unterster Sprosse unser vortrefflicherSina steht, der berühmte Badegast von Boulogne nnd Eigentümereines Autographs von Beethoven. Vielleicht steht Herr Vieuxtempsdem Herrn Sina noch viel näher als dein Nicola Paganini.

Vieuxtemps ist ein Sohn Belgiens, wie denn überhaupt ansden Niederlanden die bedeutendsten Violinisten hervorgingen. DieGeige ist ja das dortige Nativnalinstrnmcnt, das von groß undklein, von Mann nnd Weib kultiviert wird, von jeher, wie wir ansden holländischen Bildern sehen. Der ausgezeichnetste Violinist dieserLandsmannschaft ist unstreitig Bcriot, der Gemahl der Malibran;ich kann mich manchmal der Vorstellung nicht erwehren, als säße inseiner Geige die Seele der verstorbenen Gattin nnd sänge. NurErnst, der poesicreiche Böhme, weiß seinem Instrument so verblutendsüße Klagetöne zu entlocken. — Ein Landsmann Beriots ist Artöt,ebenfalls ein ausgezeichneter Violinist, bei dessen Spiel man abernie an eine Seele erinnert wird; ein geschniegelter, wohlgedrechsclterGesell, dessen Vortrag glatt nnd glänzend, wie Wachsleinen. Hau-mann, der Sohn des Brüsseler Nachdruckcrs, treibt auf der Violinedas Metier des Vaters; was er geigt, sind reinliche Nachdrücke dervorzüglichsten Geiger, die Texte hie und da verbrämt mit überflüssigen