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10 (1898) Französische Zustände : 2
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250 Französische Zustande. II.

Nebenbuhler, dein kaiserlichen Thalberg, den Lorbeer reicht. — Liszthat bereits zwei Konzerte gegeben, worin er, gegen allen Gebranch,ohne Mitwirkung anderer Künstler ganz allein spielte. Er bereitetjetzt ein drittes Ävnzert zum Besten des Monuments von Beethoven.Dieser Komponist muß in der That dein Geschmack eines Liszt ammeisten zusagen. Namentlich Beethoven treibt die spiritualistischeKunst bis zu jener tönenden Agonie der Erscheinungswelt, bis zujener Vernichtung der Natur, die mich mit einem Grauen erfüllt,das ich nicht verhehlen mag, obgleich meine Freunde darüber denKopf schütteln. Für mich ist es ein sehr bedeutungsvoller Umstand,daß Beethoven am Ende seiner Tage taub ward, uud sogar dieunsichtbare Tonwelt keine klingende Realität mehr für ihn hatte.Seine Töne waren nur noch Erinnerungen eines Tones, Gespensterverschollener Klänge, und seine letzten Produktionen tragen an derStirne ein unheimliches Totenmal.

Minder schauerlich als die Beethovensche Musik war für michder Freund Beethovens, äs ZZsßtürovsn, wie er sich hier

überall produzierte, ich glaube sogar auf Visitenkarten. Eine schwarzeHopfenstange mit einer entsetzlich weißen Krawatte und einer Leichen-bittermiene. War dieser Freund Beethovens wirklich dessen Phlades?Oder gehörte er zu jenen gleichgültigen Bekannten, mit denen eingenialer Mensch zuweilen um so lieber Umgang pflegt, je unbedeutender sie sind, und je prosaischer ihr Geplapper ist, daS ihm eine Er-holung gewährt nach ermüdend poetischen Geistesflügen? Jedenfallssahen wir hier eine neue Art der Ausbeutung des Genius, und diekleinen Blätter spöttelten nicht wenig über den äs Lsstbovsn.„Wie konnte der große Künstler einen so unerquicklichen, geisteSarmenFreund ertragen!" riefen die Franzosen, die über das monotoneGeschwätz jenes langweiligen Gastes alle Geduld verloren. Siedachten nicht daran, daß Beethoven taub war.

Die Zahl der Konzertgeber während der diesjährigen Saisonwar Legion, und an mittelmäßigen Pianisten fehlte es nicht, die inöffentlichen Blättern als Mirakel gepriesen wurden. Die meistensind junge Leute, die in bescheiden eigener Person oder durch irgendeinen bescheidenen Bruder jene Lobeserhebungen in die Presse fördern.Die Selbstvergötterungen dieser Art, die sogenannten Reklamen,bilden eine sehr ergötzliche Lektüre. Eine Reklame, die jüngst in der„Gazette musicale" enthalten war, meldete aus Marseille, daß derberühmte Döhler auch dort alle Herzen entzückt habe, und besondersdurch seine interessante Blässe, die, eine Folge überstandener Krank-heit, die Aufmerksamkeit der schönen Welt in Anspruch genommen.Der berühmte Döhler ist seitdem nach Paris zurückgekehrt und hatmehrere Konzerte gegeben; auch spielte er in dem Konzert der „Gazettemusicale" des Herrn Schlesinger, die ihn mit Lorbeerkränzen ans?