Musikalische Berichte aus Paris, 247
welcher freche» Geringschätzung der welsche Ncidhart von dem großenhochgefeiertcn Meister sprach, welcher der Stolz Deutschlands und dieWonne des Morgenlandes ist, und gewiß als der wahre Schöpfervon Robert lc Diable und den Hugenotten betrachtet und bewundertwerden muß! Nein, so etwas Herrliches hat kein Gonin komponiert!Bei aller Verehrung für den hohen Genius, wollen freilich zuweilenbedenkliche Zweifel 'in mir aufsteigen in betreff der Unsterblichkeitdieser Meisterwerke nach dem Ableben des Meisters, aber in meinerUnterredung mit Spvntini gab ich mir doch die Miene, als sei ichüberzeugt von ihrer Fortdauer nach dem Tode, und um den bos-haften Italiener zu ärgeru, machte ich ihm im Vertrauen eine Mit-teilung, woraus er ersehen konnte, wie weitsichtig Mcyerbccr für dasGedeihen seiner Geisteskinder bis über das Grab hinaus gesorgt hat.Diese Fürsorge, sagte ich, ist ein psychologischer Beweis, daß nichtHerr Gouin, sondern der große Giacomo der wirkliche Bater sei.Derselbe hat nämlich in seinem Testament zu gunsten seiner musikalischenGeisteskinder gleichsam ein Fideikommiß gestiftet, indem er jedem einKapital vermachte, dessen Zinsen dazu bestimmt sind, die Zukunftder armen Waisen zu sichern, so daß auch nach dem Hinscheiden desHerrn Vaters die gehörigen Popularitätsausgaben, der eventuelleAufwand von Flitterstaat, Claque, Zeitungslob u, s, w,, bestrittenwerden können. Selbst für das noch angeborene Prophctchen sollder zärtliche Erzeuger die Summe von 1öv l)l)l) Thalcr PreußischCourant ausgesetzt haben. Wahrlich, noch nie ist ein Prophet mitso großem Vermögen zur Welt gekommen; der Zimmermannssvhnvon Bethlehem und der Kameltreiber von Mekka waren nicht sobegütert, Robert le Diable und die Hugenotten sollen minder reichlichdotiert sein; sie können vielleicht auch einige Zeit vom eigenen Fettezehren, solange für DekvrationSpracht und üppige Ballettbeine ge-sorgt ist; später werden sie Zulage bedürfen. Für den „Crociato"dürfte die Dotation nicht so glänzend ausfallen: mit Recht zeigt sichhier der Vater ein bißchen knickerig, und er klagt, der lockere Fanthabe ihm einst in Italien zu viel gekostet; er sei ein Verschwender,Desto großmütiger bedenkt Meyerbeer seine unglückliche durchgefalleneTochter „Emma deRoSburgo"; sie soll jährlich in der Presse wiederaufgeboten werden, sie soll eine neue Ausstattung bekommen, underscheint in einer Prachtausgabe von Satin-Velin; für verkrüppelteWechsclbälge schlägt immer am treuesten das liebende Herz der Eltern,Solcherweise sind alle Meycrbeerschen Geistcskindcr gut versorgt, ihreZukunft ist verassekuriert für alle Zeiten, —
Der Haß verblendet selbst die Klügsten, und es ist kein Wunder,daß ein leidenschaftlicher Narr, wie Spvntini, meine Worte nichtganz bezweifelte, — Er rief auS: „Ol er ist alles fähig! UnglücklicheZeit! Unglückliche Welt!"