246 Französische Zustände. II.
ist es sonderbar, bei keiner Vorstellung jener Opern fehlt Herr Kanin,und wird eine Bravourarie applaudiert, vergißt er sich ganz undverbeugt sich nach allen Seiten, als wolle er dem Pnbliko danken.Ich gestand dieses alles dem grimmigen Italiener, aber dennoch, fügteich hinzu, trotzdem daß ich mit eigenen Augen dergleichen bemerkt,halte ich Herrn Gonin nicht für den Autor der Meycrbcerschen Opern;ich kann nicht glauben, daß Herr Gonin die Hugenotten und Robertle Diable geschrieben habe; ist es aber doch der Fall, so muß gewißdie Künstlereitelkeit am Ende die Oberhand gewinnen, und Herr Goninwird öffentlich die Autorschaft jener Opern für sich vindizieren.
„Rein," crwiederte der Italiener mit einem unheimlichen Blick,der stechend wie ein blankes Stilett, „dieser Gonin kennt zu gutseinen Meyerbeer, als daß er nicht wüßte, welche Büttel seinem schrecklichen Freunde zu Gebote stehen, um jemand zu beseitigen, der ihmgefährlich ist. Er wäre knpabel, unter dem Vorwande, sein armerGonin sei verrückt geworden, denselben ans ewig in Charenton einsperren zu lassen. Er würde für ihn das Kostgeld der ersten Klassevon Geisteskranken bezahlen, und er ginge zweimal die Woche nachCharenton. um sich zu überzeugen, ob sein armer Freund auch gehörig bewacht werde; er gäbe den Wärtern ein liberales Trinkgeld,damit sie gut für seinen Freund sorgten, für seinen irrsinnigen Orest,als dessen Pylades er sich gebürdete, zur großen Erbauung allerMaulaffen, die seine Generosität rühmen würden. Armer Gonin!wenn er von seinen schönen Chören in Robert le Diable spräche, legteman ihm die Zwangsjacke an. und spräche er von seinem herrlichenDuett in den Hugenotten, so gäbe man ihm die Dusche. Und derarme Schelm dürfte noch froh sein, mit dem Leben davon zu kommen.Alle, die jenem Ehrgeizling hindernd im Wege stehen, müssen weichen.Wo ist Weber? wo Bellini? Hnm! Hum!"
Dieses Hnm, Hnm! war, trotz aller unverschämten Bosheit, sodrollig, daß ich nicht ohne Lachen die Bemerkung machte: Aber Sic.Maestro. Sie sind noch nicht aus dem Wege geräumt, auch nichtDonizetti, oder Mendelssohn, oder Rossini, oder Halcvy. — „Hnm!Hnm!" war die Antwort. „Hnm! Hnm! Halcvy geniert seinen Konsratcr nicht, und dieser würde ihn sogar dafür bezahlen, daß er nurexistiere, als ungefährlicher Schcinrival, und von Rossini weiß erdurch seine Späher, daß derselbe keine Note mehr komponiert — auchhat Rossinis Magen schon genug gelitten, und er berührt kein Piano,um nicht Mcyerbeers Argwohn zu erregen. Hnm! Hum! Aber Gottlob!nur unsere Leiber können getötet werden, nicht unsere Geisteswerke:diese werden in ewiger Frische sortblühcn, während mit dem Todejener Kartusche der Musik auch seine Unsterblichkeit ein Ende nimmt,und seine Opern ihm folgen ins stumme Reich der Vergessenheit!"
Nur mit Mühe zügette ich meinen Unwillen, als ich hörte, mit