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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Über die französische Bühne, 233

größten Schriftstellers, den das neue Frankreich hervorgebracht, desunheimlich einsninen Genius, der auch bei uns in Deutschland ge-würdigt worden? War die Aufnahme eine entschieden schlechte odereine zweifelhaft gute? Ehrlich gestanden, ich kann diese Frage nichtbeantworten. Die Achtung vor dem großen Namen lahmte vielleichtmanches böse Vorhaben, Ich erwartete das Schlimmste, Alle Aulagvnisten des Autors hatten sich ein Rendezvous gegeben in dem un-geheuren Saale des Thsntre Francis, der über zweitausend Personensaßt. Etwa cinhundcrtvierzig Billette hatte die Administration zurVerfügung des Autors gestellt, um sie an die Freunde zu verteilen;ich glaube aber, verzettelt durch weibliche Laune, sind davon nurivcnige in die rechten, applaudierenden Hände geraten. Von einerorganisierten Clague war gar nicht die Rede; der gewöhnliche Chefderselben hatte seine Dienste angeboten, fand aber kein Gehör beidem stolzen Verfasser der „Lelia", Die sogenannten Römer, die inder Mitte des Parterres unter dem großen Leuchter so tapfer zuapplaudieren Pflegen, wenn ein Stück von Scribe oder Ancelot auf-geführt wird, waren gestern im Thsütre Franpais nicht sichtbar.Die Beifallsbezeigungen, die dennoch häufig und hinlänglich geräusch-voll stattfanden, waren um so ehrenwerter. Während des fünftenAktes hörte man einige Mencheltöne, und doch enthielt dieser Aktweit mehr dramatische und Poetische Schönheiten als die vorhergehen-den, worin das Bestreben, alles Anstößige zu vermeiden, fast in eineunerfreuliche Zagnis ausartete.

Über den Wert des Stückes überhaupt will ich mir hier keinUrteil gestatten. Genug, der Verfasser ist George Sand, und dasgedruckte Werk wird in einigen Tagen der Kritik von ganz Europaüberliefert werden. Das ist ein Vorteil, den die großen Reputationengenießen t sie werden von einer Jury gerichtet, welche sich nicht irremachen läßt von einigen litterarischen Ennnchcn, die aus demWinkel eines Parterres oder eines Journals ihre pfeifenden Stinim-chen vernehmen lassen.

Über die Darstellung des bestrittenen Dramas kann ich leidernur das Schlimmste berichten. Außer der berühmten Dorval, diegestern nicht schlechter, aber auch nicht besser als gewöhnlich spielte,trugen alle Akteure ihre monotone Mittelmäßigkeit zur Schalt, DerHanpthcld des Stückes, ein Monsieur Bcanvallet, spielte, um biblischzu reden, „wie ein Schwein mit einem goldenen Nasenring", GeorgeSand scheint vorausgesehen zu haben, wie wenig sein Drama, trogaller Zugeständnisse, die er den Kapricen der Schauspieler machte,von den mimischen Leistungen derselben zu erwarten hatte, und imGespräch mit einem deutschen Freunde sagte er scherzhaft: „SehenSic, die Franzosen sind alle geborene Komödianten, und jeder spieltin der Welt mehr oder minder brillant seine Nolle; diejenigen aber