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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Über die französische Piihne,

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Und er antwortete' „Fragen Sie da? die große steinerne Sphinx,welche im Vvrhvf des Museums zu Paris kauert/'

Teurer Freund, lachen Sie nicht über nieine Rachtgesichte! Oderhaben auch Sie ein werktägiges Vorurteil gegen Träume? —Morgen reise ich nach Paris. Leben Sie wohl!

Anhang.

George Saud.

Paris, den Zo. April IS«.

Gestern abend, nach langem Erwarten von Tag zu Tag, nacheinem fast zweimonatlichen Hinzögern, wodurch die Neugier, aberauch die Geduld des Publikums überreizt wurde — endlich gesternabend ward „Cosima", das Drama von George Sand, im ThsAreFranyais aufgeführt. Das Gedränge und die Hitze war unerträglich.Man hat keinen Begriff davon, wie seit einigen Wochen alle Nota-bilitäten der Hauptstadt, alles, was hier hervorragt durch Rang,Geburt, Talent, Laster, Reichtum, kurz durch Auszeichnung seder Art,sich Mühe gab, dieser Vorstellung beiwohnen zu können. Der Ruhmdes Autors ist so groß, daß die Schaulust aufs höchste gespannt war;aber nicht bloß die Schaulust, sondern noch ganz andere Interessenund Leidenschaften kamen ins Spiel. Man kannte im voraus dieKabalen, die Jntrignen, die Böswilligkeiten, die sich gegen das Stückverschworen und mit dem niedrigsten Metierneid gemeinschaftlicheSache machten. Der kühne Autor, der durch seine Romane bei derAristokratie und bei dem Bllrgerstand gleich großes Mißfallen erregte,sollte für seine „irreligiösen und immoralischen Grundsätze" bei Ge-legenheit eines dramatischen Debüts öffentlich büßen; denn, wie ichIhnen dieser Tage schrieb, die französische Noblesse betrachtet dieReligion als eine Abivehr gegen die herandrvhendcn Schrecknisse desRepublikanismns und protegiert sie, um ihr Ansehen zu befördernund ihre Köpfe zu schützen, während die Bourgeoisie durch die anti-matrimonialen Doktrinen eines George Sand ebenfalls ihre Köpfebedroht sieht, nämlich bedroht durch einen gewissen Hornschmnck, denein verheirateter Bürgergardist ebenso gern entbehrt, wie er gern mitdem Kreuze der Ehrenlegion geziert zu werden wünscht.

Der Autor hatte sehr gut seine mißliche Stellung begriffen undin seinem Stück alles vermieden, was die adligen Ritter der Religionund die bürgerlichen Schildknappen der Moral, die Legitimisten derPolitik und der Ehe, in Harnisch bringen konnte; und der Vorfechterder socialen Revolution, der in seinen Schriften das Wildeste wagte,hatte sich aus der Bühne die zahmsten Schranken gesetzt, und sein