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10 (1898) Französische Zustände : 2
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230 Französische Zustände. II.

mich in unerhörte Gegenden und schauerliche Beängstigungen . . .Sie haben keinen Begriff davon, teurer Freund, wie seltsam, wieabenteuerlich wunderbar die Landschaften sind, die ich im Traumesehe, und welche grauenhaften Schmerzen mich sogar im Schlafequälen . . .

Verflossene Nacht befand ich mich in einem ungeheuren Dome.Es herrschte darin dämmerndes Zwielicht. . . Nur in den oberstenRäumen, durch die Galerien, die über dem ersten Pfcilcrban sicherhoben, zogen die flackernden Lichter einer Prozession' rvtröckigeChorknaben, ungeheure Wachskerzen und Kreuzfnhnen vvrnntragcnd,braune Mönche und Priester, in buntfarbigen Meßgewanden hinterdrein folgend. . . Und der Zug bewegte sich märchenhaft schauerlichin den Höhen, der Kuppel entlang, aber allmählich herabsteigend,während ich unten, das unglückselige Weib am Arm, im Schiffe derKirche immer hin und her floh. — Ich weis; nicht mehr, ob welcherBefürchtung! wir flohen mit hcrzpochcnder Angst, suchten uns manchmal hinter einem von den Ricscnpfeilern zu verstecken, jedoch vergcbens, und wir flohen immer ängstlicher, da die Prozession, aufWendeltreppen herabsteigend, uns endlich nahte ... Es war einunbegreiflich wehmütiger Gesang, und was noch unbegreiflicher, voranschritt eine lange, blasse, schon ältliche Frau, die noch Spuren großerSchönheit im Gesichte trug und sich mit gemessenen Pas, fast wieeine Operntttnzerin, zu nnS hin bewegte. In den Händen trug sieeinen Strauß von schwarzen Blumen, den sie uns mit theatralischerGebärde darreichte, während ein wahrer, ungeheurer Schmerz inihren großen, glänzenden Augen zu weinen schien . . . Nun aberänderte sich plötzlich die Scene, und, statt in einem dunklen Dome,befanden wir uns in einer Landschaft, Ivo die Berge sich bewegtenund allerlei Stellungen annahmen, wie Menschen, und wo dieBäume mit roten Flammcnblttttern zu brennen schienen, und wirklichbrannten... Denn als die Berge, nach den tollsten Bewegungen,sich gänzlich verflachten, verlodcrten auch die Bäume in sich selber,fielen wie Asche zusammen . . . Und endlich befand ich mich ganzallein auf einer weiten, wüsten Ebene, unter meinen Füßen nichtsals gelber Sand, über mir nichts als trostlos fahler Himmel. Ichwar allein. Die Gefährtin war von meiner Seite verschwunden,und indem ich sie angstvoll suchte, fand ich im Sande eine weiblicheBildsäule, wunderschön, aber die Arme abgebrochen, wie bei der Vennsvon Milo, und der Marmor an manchen Stellen kummervoll verwittert. Ich stand eine Weile davor in wehmütiger Betrachtung,bis endlich ein Reiter angeritten kam. Das war ein großer Vogel,ein Strauß, und er ritt auf einein Kamele, drollig anzusehen. Ermachte ebenfalls Halt vor der gebrochenen Statue, und wir unter-hielten uns lange über die Kunst. Was ist die Kunst? frng ich ihn.