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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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21k Französische Zustände. 11.

mittleren sich, wenn Sie mich armen Italiener hier in Berlin laben,in der Hauptstadt von Sebastian Bach!"

Meyerbeer war in der That damals ganz ein Nachahmer derItaliener geworden. Der Mißmut gegen den feuchtkalten, verstands-witzigen, farblosen Berlin ianismus hatte frühzeitig eine Reaktion inihm hervorgebracht; er entsprang nach Italien, genoß fröhlich seinesLebens, ergab sich dort ganz seinen Privatgefühlen, und komponiertedort jene köstlichen Opern, worin der Rvssinismus mit der süßestenÜbertreibung gesteigert ist; hier ist das Gold noch übergüldet unddie Blume mit noch stärkeren Wohldüften parfümiert. Das war dieglücklichste Zeit Mcycrbeers, er schrieb im vergnügten Rausche deritalienischen Sinucnlust, und im Leben wie in der Kunst pflückte erdie leichtesten Blumen.

Aber dergleichen konnte einer deutschen Natur nicht lange ge-nügen. Ein gewisses Heimweh nach dem Ernste des Vaterlandesward in ihm wach; während er unter welschen Myrten lagerte, be-schließ ihn die Erinuernng an die geheimnisvollen Schauer deutscherEichenwälder; während südliche Zephyre ihn umkosten, dachte er andie dunkeln Choräle des Nordwinds; — es ging ihm vielleicht garwie der Frau von Scvigns, die, als sie neben einer Orangerie wohnteund bestandig von lauter Orangenblütcn umduftet war, sich am Endenach dem schlechten Gerüche einer gesunden Mistkarre zu sehnen be-gann . . . Kurz, eine neue Reaktion fand statt, Signor Giacomvward plötzlich wieder ein Deutscher und schloß sich wieder an Deutsch-land, nicht an das alte, morsche, abgelebte Deutschland des eng-brüstigen Spießbürgertums, sondern an das junge, großmütige,weltfreie Deutschland einer neuen Generation, die alle Fragen derMenschheit zu ihren eigenen gemacht hat, und die, wenn auch uichtimmer auf ihrem Banner, doch desto unauslöschlicher in ihrem Herzen,die großen Menschheitsfragen eingeschrieben trägt.

Bald nach der Julirevolution trat Meyerbeer vor das Publikummit einem neuen Werke, das während den Wehen jener Revolutionseinem Geiste entsprossen, mit Robert lc Diable, dem Helden, deruicht genau weiß, was er will, der beständig mit sich selber imKampfe liegt, ein treues Bild des moralischen Schwankens damaligerZeit, einer Zeit, die sich zwischen Tugend nnd Laster so qualvollunruhig bewegte, in Bestrebungen und Hindernissen sich aufrieb, undnicht immer genug Kraft besaß, den Anfechtungen Satans zu wider-stehen! Ich liebe keineswegs diese Oper, dieses Meisterwerk der Zag-heit, ich sage der Zagheit nicht bloß in betreff des Stoffes, sondernauch der Exekution, indem der Komponist seinem Genius noch nichttraut, noch nicht wagt, sich dem ganzen Willen desselben hinzugeben,und der Menge zitternd dient, statt ihr unerschrocken zu gebieten.Man hat damals Mcyerbcer mit Recht ein ängstliches Genie genannt;