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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Über die französische Bühne. 209

eine vortreffliche Truppe, worunter Mademoiselle Georges und Bocage,besitzt. Hierauf folgt das Rmbigu-Comigne, wo es schon mit Dar-stellung und Darstellern schlechter bestellt ist, aber noch immer dasromantische Drama tragiert wird. Von da gelangen wir zu Franconi,welche Bühne jedoch in dieser Reihe nicht mitzurechnen ist, da mandort mehr Pferde als Mcnschenstückc aufführt. Dann kommt Inlllaits, ein Theater, daS unlängst abgebrannt, aber jetzt wieder auf-gebaut ist, und von außen wie von innen seinem heiteren Namenentspricht. Das romantische Drama hat hier ebenfalls das Bürger-recht, und auch in diesem freundlichen Hanse fließen zuweilen dieThränen und pochen die Herzen von den furchtbarsten Emotionen;aber hier wird doch schon mehr gesungen und gelacht, und dasVandeville kommt schon mit seinem leichten Geträller zum Borschcin.Dasselbe ist der Fall in dem danebenstehenden Theater kss ?olissärairmtÜHnss, welches ebenfalls Dramen und noch mehr Vandevillcsgicbt; aber schlecht ist dieses Theater nicht zu nennen, und ich habemanches gute Stück aufführen, und zwar gut aufführen sehen. Nachden ?oliss äramatiguss, dem Werte wie dem Lokale nach, folgt dasTheater von Madame Sagui, wo man ebenfalls noch Dramen, aberäußerst mittelmäßige und die miserabelsten Singspäße giebt, dieendlich bei den benachbarten Fünambülen in die derbsten Pvssen-reißercicn ausarten. Hinter den Fünambülen, wo einer der vor-trefflichsten Picrrvts, der berühmte Debnrcan, seine weißen Gesichterschneidet, entdeckte ich noch ein ganz kleines Theater, welchesheißt, Ivo man ganz schlecht spielt, Ivo das Schlechte endlich seineGrenzen gefunden, wo die Kunst mit Brettern zugenagelt ist.

Während Ihrer Abwesenheit ist zu Paris noch ein nencS Theatererrichtet worden, ganz am Ende des Boulevards, bei der Bastillc,und heißt: Tllsntrs äs la ?orts Lnint-^nkoins. Es ist in jederHinsicht bors äs liAns, und man kann es weder seiner artistischennoch lokalen Stellung nach unter die erwähnten Bonlcvardstheaterrangieren. Auch ist es zu neu, als daß man über seinen Wertschon etwas Bestimmtes aussprechen dürfte. Die Stücke, die dortaufgeführt werden, sind übrigens nicht schlecht. Unlängst habe ichdort, in der Nachbarschaft der Bastille, ein Drama aufführen sehen,welches den Namen dieses Gefängnisses trägt, und sehr ergreifendeStellen enthielt. Die Heldin, wie sich von selbst versteht^ ist dieGemahlin des Gouverneurs der Bastille und entflieht mit einemStaatsgefangenen. Auch ein gntcS Lustspiel sah ich dort aufführen,welches den Titel führt: „Nnris^-vous äono!" und die Schicksaleeines Ehemannes veranschaulichte, der keine vornehme Konvenicnz-Eheschließen wollte, sondern ein schönes Mädchen aus dem Volke heiratet.Der Vetter wird ihr Liebhaber, die Schwiegermutter bildet mit diesemund der getreuen Gemahlin die Hausopposition gegen den Ehemann,He ine 's Werke. X. Bd. 14