Über die französische Bühne.
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Lichter Brief.
Ich habe im vorletzten Briefe die beiden Chorführer des französischenDramas besprochen. ES waren jedoch nicht eben die Namen VictorHugo nnd Alexandre Dumas, welche diesen Winter auf den TheaterndeS Boulevards am meisten florierten. Hier gab's drei Namen, diebeständig im Munde des Volkes wicderklangen, obgleich sie bis jetztin der Litteratur unbekannt sind. Es waren: Mallefile, Rougemontund Bouchardh. Von erstercm hoffe ich das beste, er besitzt, sovielich merke, große Poetische Anlagen. Sie erinnern sich vielleicht seiner„Sieben Infanten von Lara", jenes Greuelstücks, das wir einst ander Porte Saint-Martin miteinander sahen. Aus diesem wüstenMischmasch von Blut und Wut traten manchmal wunderschöne, wahr-haft erhabene Sccnen hervor, die von romantischer Phantasie unddramatischem Talente zeugte». Eine andere Tragödie von Mallefile,„Glcnarvon", ist von noch größerer Bedeutung, da sie weniger ver-worren nnd unklar, nnd eine Exposition enthält, die erschütterndschön nnd grandios. In beide» Stücken sind die Rollen der ehe-brecherischen Mutter vortrefflich besetzt durch Mademoiselle Georges,die ungeheure strahlende Fleischsonne am Thcatcrhimmel des Boule-vards. Vor einigen Monaten gab Mallefile ein neues Stück, be-titelt: „Der Alpenhirt", Is Lnz-snn äos ^Ixss. Hier hat er sich einergrößeren Einfachheit beflissen, aber ans Kosten des poetischen Gehalts.Das Stück ist schwacher als seine früheren Tragödien. Wie in diesen,werden auch hier die ehelichen Schranken pathetisch niedergerissen.
Der zweite Laureat des Boulevards, Rougemont, begründete seinRenommee durch drei Schauspiele, die in der kurzen Frist von etwasechs Monaten hintereinander zum Vorschein kamen und des größtenBeifalls genossen. Das erste hieß: „Die Herzogin von Labaubalisre",ein schwaches Machwerk, worin viel Handlung ist, die aber nichtüberraschend kühn oder natürlich sich entfaltet, sondern immer müh-sam durch kleinliche Berechnung herbeigeführt wird, sowie auch dieLeidenschaft darin ihre Glut nur erheuchelt nnd innerlich träge nndwnrmkalt ist. Das zweite Stück,, betitelt: „Leon", ist schon besser,nnd obgleich es ebenfalls an der erwähnten Vorsätzlichkeit leidet, soenthält es doch einige großartig erschütternde Scenen. Vorige Wochesah ich das dritte Stück, „Enlalic Granger", ein rein bürgerlichesDrama, ganz vortrefflich, indem der Verfasser darin der Natur seinesTalentes gehorcht, und die traurigen Wirrnisse heutiger Gesellschaftmit VcrstandcSklarheit in einem schön eingerahmten Gemälde darstellt.
Von Bouchardh, dem dritten Laureaten, ist bis jetzt nur eineinziges Stück ausgeführt worden, das aber mit beispiellosem Erfolggekrönt ward. Es heißt „Gaspardo", ist binnen fünf Monaten alleTage gespielt worden, nnd geht es in diesem Zuge fort, so erlebt