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10 (1898) Französische Zustände : 2
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184 Französische Anstünde, II.

nicht der Willkür der kläglichsten Kurzsichtigkeit überlassen. Ich weißes ganz gewiß, er, der einst die Kinder Israel mit so großer Wunder-macht auS Ägypten führte, aus dem Lande der Kasten und der ver-götterten Ochsen, er wird auch den heutigen Pharaonen seine Kunststückezeigen. Die übermütigen Philister wird er von Zeit zu Zeit in ihrGebiet zurückdrängen, wie einst unter den Richtern, lind gar dieneue babylonische Hure, wie wird er sie mit Fußtritten regulieren!Siehst du ihn, den Willen Gottes! Er zieht durch die Luft, wie dasstumme Geheimnis eines Telegraphen, der hoch über unser« Häupternseine Verkündigungen den Wissenden mitteilt, während die Unein-geweihten unten im lauten Marktgctümmel leben und nichts davonmerken, daß ihre wichtigsten Interessen, Krieg und Frieden, unsichtbarüber sie hin in den Lüften verhandelt werde». Sieht einer von unsin die Höhe, und ist er ein Zeicheuknndiger, der die Zeichen auf denTürmen versteht, und warnt er die Leute vor nahendem Unheil, sonennen sie ihn einen Träumer und lachen ihn aus. Manchmalwiderfährt ihm noch Schlimmeres, und die Gemahnten grollen ihmob der bösen Kunde und steinigen ihn. Manchmal anch wird derProphet auf die Festung gesetzt, bis die Prophezeiung eintreffe, undda kann er lange sitzen. Denn der liebe Gott thnt zwar immer, waSer als das Beste erfunden und beschlossen, aber er übereilt sich nicht,O, Herr! ich weiß, du bist die Weisheit und die Gerechtigkeitselbst, und was du thust, wird immer gerecht und weise sein, Aberich bitte dich, was du thun willst, thue es ein bißchen geschwind.Du bist ewig und hast Zeit genug und kannst warten. Ich aberbin sterblich, und ich sterbe.

Ich bin diesen Morgen, liebster Freund, in einer wunderlichweichen Stimmung, Der Frühling wirkt ans mich recht sonderbar.Den Tag über bin ich betäubt, und es schlummert meine Seele.Aber des Nachts bin ich so aufgeregt, daß ich erst gegen Mvrgeneinschlafe, und dann umschlingen mich die qualvoll entzückendstenTräume, O schmerzliches Glück, wie beängstigend drücktest du michan dein Herz vor einigen Stunden! Mir träumte von ihr, die ichnicht lieben will und nicht lieben darf, deren Leidenschaft mich aberdennoch heimlich beseligt. Es war in ihrem Landhause, in dem kleinen,dämmerigen Gemache, wo die wilden Oleanderbäume das Balkon-fcnster überragen. Das Fenster war offen, und der helle Mond schienzu unS ins Zimmer herein und warf seine silbernen Streiflichterüber ihre weißen Arme, die mich so liebevoll umschlossen hielten.Wir schwiegen und dachten nur an unser süßes Elend, An denWänden bewegten sich die Schatten der Bäume, deren Blüten immerstärker dufteten. Draußen im Garten, erst ferne, dann wieder nahe,ertönt eine Geige, lange, langsam gezogene Töne, jetzt traurig, dannwieder gutmütig heiter, manchmal wie wehmütiges Schluchze», mit-