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Französische Zustände. II.
deutschen Schauspielhaus beim Anblick jener Feldzüge der beidenGeschlechter, wo eines das andere durch strategische Künste, geheimenHinterhalt, nächtlichen Überfall, zweideutigen Waffenstillstand, odergar durch ewige Friedensschlüsse zu überlisten sucht. Ist man aberhier in Frankreich auf den Wahlplätzen selbst, wo dergleichen nichtbloß zum Scheine, sondern auch in der Wirklichkeit aufgeführt wird,und trägt man ein deutsches Gemüt in der Brust, so schmilzt einemdas Vergnügen bei dem besten französischen Lustspiel. Und ach! seitlanger Zeit lache ich nicht mehr über Arnal, wenn er mit seinerköstlichsten Niäserie den Hahnrei spielt. Und ich lache auch nicht mehrüber Jenny Vertprs, wenn sie als große Dame, alle mögliche Grazieentfaltend, mit den Blumen des Ehebruchs tändelt. Und ich lacheauch nicht mehr über Madcmvisellc Dejazet, die, wie Sie wissen, dieRolle einer Grisette so vortrefflich, mit einer klassischen Frechheit,mit einer göttlichen Liederlichkeit, zu spielen weiß. Wie viel Nieder-lagen in der Tugend gehörten dazu, che dieses Weib zu solchenTriumphen in der Kunst gelangen konnte! Sie ist vielleicht die besteSchauspielerin Frankreichs. Wie meisterhaft spielt sie Frctillv» odereine arme Modistin, die durch die Liberalität eines reichen Liebhaberssich plötzlich mit allem Luxus einer großen Dame umgeben sieht, odereine kleine Wäscherin, die zum ersten Male die Zärtlichkeiten einesKarabinS sauf deutscht gtmäiosus Nockioirms) anhört und sich vonihm nach dem Unk ostampstrs der Krauels Kkmruuisrs geleitenläßt . ! . Ach! Das ist alles sehr hübsch und spaßhast, und die Leutelachen dabei; aber ich, wenn ich heimlich bedenke, wo dergleichenLustspiel in der Wirklichkeit endet, nämlich in den Gossen der Pro-stitution, in den Hospitälern von Saint Lazarc, auf den Tischen derAnatomie, wo der Karabin nicht selten seine ehemalige Liebesgefährtinbelehrsam zerschneiden sieht. . . dann erstickt mir das Lachen in derKehle, und fürchtete ich nicht, vor dem gebildetsten Publikum der Weltals Narr zu erscheinen, so würde ich meine Thränen nicht zurückhalten.
Seheit Sie, teurer Freund, das ist eben der geheime Fluch desExils, daß uns nie ganz wohnlich zu Mute wird in der Atmosphäreder Fremde, daß wir mit unserer mitgebrachten, heimischen Deuk-ttnd Gefühlsweise immer isoliert stehen unter einem Volke, das ganzanders fühlt und denkt als wir, daß wir beständig verletzt werdenvon sittlichen, oder vielmehr unsittlichen Erscheinungen, womit derEinheimische sich längst ausgesöhnt, ja wofür er durch die Gewohnheitallen Sinn verloren hat, wie für die Naturerscheinungen seinesLandes. . . Ach! das geistige Klima ist uns in der Fremde ebensounwirtlich wie das physische; ja, mit diesem kann man sich leichterabfinden, und höchstens erkrankt dadurch der Leib, nicht die Seele!
Ein revolutionärer Frosch, welcher sich gern aus dem dickenHeimatgewässer erhübe und die Existenz des Vogels in der Luft für