Über die französische Böhne. 176
darf ein Deutscher behaupten, daß nur auf deutschem Baden dieNarren zu jener titanenhaften Höhe emporblühen können, wovon einverflachter, früh unterdrückter französischer Narr keine Ahnung hat.Rur Deutschland erzeugt jene kolossalen Thoren, deren Schellenkappebis in den Himmel reicht und mit ihrem Geklingel die Sterne ergötzt!Laßt uns nicht die Verdienste der Landsleute verkennen und aus-ländischer Narrheit huldigen; laßt uns nicht ungerecht sein gegendas eigene Vaterland!
Es ist ebenfalls ein Irrtum, wenn man die Unfruchtbarkeit derdeutschen Thalia dein Mangel an freier Luft oder, erlauben Sie mirdas leichtsinnige Wort, dem Mangel an politischer Freiheit zuschreibt.Das, waS man politische Freiheit zu nennen Pflegt, ist für das Ge-deihen des Lustspiels durchaus nicht nötig. Mau denke nur auVenedig, wo, trotz der Bleikammern und geheimen Ersäufungsanstalten,dennoch Goldoni und Gozzi ihre Meisterwerke schufen, an Spanien,Ivo, trotz dem absoluten Beil und dem orthodoxen Feuer, die köstlichenMantel- und Dcgeustücke gedichtet wurden, man denke nur an Molisre,welcher unter Ludwig XI V. schrieb; sogar China besitzt vortrefflicheLustspiele . . . Nein, nicht der politische Zustand bedingt die Ent-wicklung des Lustspiels bei einem Volke, und ich würde dieses aus-führlich beweisen, geriete ich nicht dadurch in ein Gebiet, von welchemich mich gern entfernt halte. Ja, liebster Freund, ich hege eine wahreScheu vor der Politik, und jeden« politischen Gedanken gehe ich aufzehn Schritte aus dem Wege, wie einem tollen Hunde. Wenn mirin meinem Jdeengangc unversehens ein politischer Gedanke begegnet,bete ich schnell den Spruch . . .
Kennen Sic, liebster Freund, den Spruch, den man schnell vorsich hinspricht, wenn man einem tollen Hunde begegnet? Ich erinneremich desselben noch aus meinen Knabenjahren, und ich lernte ihndamals von dem alten Kaplan Asthöver. Wen» wir spazieren gingenund eines Hundes ansichtig wurden, der den Schwanz ein bischenzweideutig cingckniffen trug, beteten wir geschwind: „O Hund, duHund — Du bist nicht gesund — Du bist vermaledeit — In Ewig-keit — Vor deinem Biß — Behüte mich mein Herr und HeilandJesu Christ, Amen!"
Wie vor der Politik, hege ich jetzt auch eine grenzenlose Furchtvor der Theologie, die mir ebenfalls nichts als Verdruß eingetränkthat. Ich lasse mich vom Satan nicht mehr verführen, ich enthaltemich selbst alles Nachdenkens über das Christentum, und ich bin keinNarr mehr, daß ich Hengstenberg und Konsorten zum Lebensgenußbekehren wollte; mögen diese Unglücklichen bis an ihr Lebensendenur Disteln statt Ananas fressen und ihr Fleisch kasteien; taub inisux,ich selber möchte ihnen die Ruten dazu liefern. Die Theologie hatmich ins Unglück gebracht; Sie wissen, durch welches Mißverständnis.
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