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10 (1898) Französische Zustände : 2
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Kunstberichte aus Paris/ 161

er deshalb die Hauptstadt mit vierzehn FortS umgebe, deren Kanonenjeder Emeute gleich von oben herab Stillschweigen gebieten würden.Offenes Eingeständnis, daß es sich um seinen Kopf und alle Juste-Milieu-Kopfe handle, hätte vielleicht gute Wirkung hervorgebracht.Aber seht sind nicht bloß die Parteien der Opposition, sondern auchdie Butikiers und die meisten Anhänger des Juste-Milien-Shstemsganz verdrießlich über die ?orts ciötaeliss, und die Presse hat ihnentiinlänglich die Gründe auseinandergesetzt, weshalb sie verdrießlichsind. Die meisten Butikiers sind nämlich jetzt der Meinung,Ludwig Philipp sei ein ganz vortrefflicher König, er sei wert, daßman Opfer für ihn bringe, ja sich manchmal für ihn in Gefahr setze,wie am 5. und 6. Iunius, Ivo sie ihrer 40 WO Mann, in Gemein-schaft mit 2l) OVO Mann Linientrnppen, gegen mehrere hundertRepublikaner ihr Leben gewagt haben; keineswegs jedoch sei LudwigPhilipp wert, daß man, um ihn zu behalten, bei späteren bedeutenderenErneuten ganz Paris, also sich selber nebst Weib und Kind undsämtlichen Bnliken, in die Gefahr setzt, von vierzehn Höhen herabzu Grunde geschossen zu werden. Man sei ja, meinen sie übrigens,seit fünfzig Jahren an alle möglichen Revolutionen gewöhnt, manhabe sich ganz darauf einstudiert, bei geringen Emeuten zu inter-venieren, damit die Ruhe gleich wieder hergestellt wird, bei größerenInsurrektionen sich gleich zu unterwerfen, damit ebenfalls die Ruhegleich wieder hergestellt wird. Auch die Fremden, meinen sie, diereichen Fremden, die in Paris so viel Geld verzehren, hätten jetzteingesehen, daß eine Revolution für jeden ruhigen Zuschauer un-gefährlich, daß dergleichen mit großer Ordnung, sogar mit großerArtigkeit stattfinde, dergestalt, daß es für einen Ausländer noch einbesonderes Amüsement sei, eine Revolution in PariS zu erleben,ilmgäbe man aber Paris mit ?orts cistaoiiös, so würde die Furcht,daß man eines frühen Morgens zu Grunde geschossen werden könne,die Ausländer, die Provinziellen, und nicht bloß die Fremden, sondernauch viele hier ansässige Rentiers aus Paris verscheuchen; man würdedann weniger Zucker, Pfeffer und Pomade verkaufen und geringereHausmiete gewinnen; kurz, Handel und Gewerbe würden zu Grundegehen. Die Epiciers, die solcherweise für den Zins ihrer Häuser, fürdie Kunden ihrer Antiken und für sich selche und ihre Familienzittern, sind daher Gegner eines Projektes, wodurch Paris eine Festungwird, wodurch Paris nicht mehr das alte heitere, sorglose Parisbleibt. Andere, die zwar zum Juste-Milieu gehören, aber den liberalenPrinzipien der Revolution nicht entsagt haben und solche Prinzipiennoch immer mehr lieben, als den Ludwig Philipp i diese wollen dasBiirgerköuigtum vielmehr durch Institutionen, als durch eine Artvon Bauwerken geschützt sehen, die allzusehr an die alte feudalistischeZeit erinnern, wo der Inhaber der Citadelle die Stadt nach Willkür

Hein-S Werke. X. Bd. 11