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10 (1898) Französische Zustände : 2
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160 Französische Zustande. II.

die rechte hält, dann wird er losschlagen; erst gegen die innerenFeinde, hernach gegen die äußeren, die ihn noch weil empfindlicherbeleidigt haben. Dieser Mann ist alles sähig, und wer weiß, ob ernicht einst jenen Handschuh, der von allen möglichen Uoi^nsss 6srna-iir so schmutzig geworden, der ganzen heiligen Alliance als Fehde-handschuh hinwirft. Es fehlt ihm wahrhaft nicht an fürstlichemSelbstgefühl. Ihn, den ich kurz nach der Julinsrevolution mitFilzhut und Regenschirm sah. wie verändert erblickte ich ihn plötzlicham sechsten Junius voriges Jahr, als er die Republikaner bezwang.Es war nicht mehr der gutmütige, schwammbänchige Spießbürger,das lächelnde Flcischgcsicht; sogar seine Korpulenz gab ihm plötzlichein würdiges Ansehen, er warf das Haupt so kühn in die Höhe, wiees jemals irgend einer seiner Vorfahren gethan, er erhob sich indickster Majestät, jedes Pfund ein König. Als er aber dennoch fühlte,daß die Krone ans seinem Haupte noch nicht ganz fest saß und nochmanches schlechte Wetter eintreten könnte, wie schnell hatte er wiederden alten Filzhut aufgestülpt und seinen Regenschirm zur Hand ge-nommen! Wie bürgerlich, einige Tage nachher bei der großen Revue,begrüßte er wieder Gevatter Schneider und Schuster, wie gab erwieder rechts und links die herzlichsten UcÜAnsss 6s inain, undnicht bloß mit der Hand, sondern auch mit den Augen, mit denlächelnden Lippen, ja sogar mit dem Backenbart. Und dennoch,dieser lächelnde, grüßende, bittende, flehende gute Mann trug damalsin seiner Brust vierzehn lsiorts eletaeüss.

„Diese Forts sind jetzt Gegenstand der bedenklichsten Fragen,und die Lösung derselben kann furchtbar werden und den ganzenErdkreis erschüttern. Das ist wieder der Fluch, der die klugen Leuteins Verderben stürzt, sie glauben klüger zu sein, als ganze Völker,und doch hat die Erfahrung gezeigt, daß die Massen immer richtiggenrteilt, und, wo nicht die ganzen Pläne, doch immer die Absichtenihrer Machthaber erraten. Die Völker sind allwissend, alldnrchschauend! daS Auge deS Volkes ist das Auge Gottes. So hat dasfranzösische Volk mitleidig die Achsel gezuckt, als die Regierung ihmlandesväterlichst vorheuchelte: sie wolle Paris befestigen, um es gegendie heilige Alliance verteidigen zn können. Jeder fühlte, daß nurLudwig Philipp sich selber befestigen wollte gegen Paris. Es istwahr, der König hat Gründe genug, Paris zu fürchten, die Kroneglüht ihm ans dem Haupte und versengt ihm das Tonpet, so langedie große Flamme noch lodert in Paris, dem Foher der Revolution.Aber warum gesteht er dieses nicht ganz offen? Warum gebärdet ersich noch immer als einen treuen Wächter dieser Flamme? Ersprieß-licher wäre vielleicht sür ihn das offene Bekenntnis an die Gewürz-krämer und sonstige Parteigenossen: daß er für sie und sich selbernicht stehen könne, solange er nicht gänzlich Herr von Paris, daß