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10 (1898) Französische Zustände : 2
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156 Französische Zustünde. H.

den Wir jetzt, nachdem der übertolle Freiheitsransch verdampft, auchim politischen Leben der Franzosen bemerken? War die diesjährigeAusstellung nur ein buntes Gähnen, nur ein farbiges Echo derdiesjährigen Kammer? Wenn der Salon von 1831 noch von derSonne des Julius durchglüht war, so tröpfelte in dem Salon 1833noch der trübe Regen des Junius, Die beiden gefeierten Heldendes vorigen Salon, Delaroche und Robert, traten diesmal gar nichtin die Schranken, und die übrigen Maler, die ich früher gerühmt,gaben dies Jahr nichts Vorzügliches, Mit Ausnahme eines Bildesvon Tony Jvhannot, einem Deutschen, hat kein einziges Gemäldedieses Salons mich gemütlich angesprochen, Herr Scheper gab wiedereine Margarethe, die von großen Forlschritten im Technischen zeugte,aber doch nicht viel bedeutete. Es war dieselbe Idee, glühendergemalt und frostiger gedacht. Auch Harare Vernet gab wieder eingroßes Bild, worauf jedoch nur schöne Einzelheiten, Decamps hatsich wohl über den Salon und sich selber lustig machen wollen, under gab meistens Affenstücke; darunter ein ganz vortrefflicher Asse,der ein Historienbild malt. Das dcutschchristlich lang herabhängendeHaar desselben mahnte mich ergötzlich an iibcrrheinischc Freunde,

Am meisten besprochen und durch Lob und Widerspruch gefeiertwurde dieses Jahr Herr Ingres, Er gab zwei Stücke; das einewar das Porträt einer jungen Italienerin, das andere war dasPorträt des Herrn Bertin l'uine, eines alten Franzosen,

Wie Ludwig Philipp im Reiche der Politik, so war Herr Ingresdieses Jahr König im Reiche der Kunst, Wie jener in den Tnilcrien,so herrschte dieser im Louvre. Der Charakter des Herrn Ingres istebenfalls Inste-Milieu, er ist nämlich ein Jnstc-Milien zwischen Micrisund Michelangelo, In seinen Gemälden findet man die heroischeKühnheit des Mieris und die feine Farbcngcbung des Michelangelo,In demselben Maße, wie die Malerei in der diesjährigen Aus-stellung wenig Begeisterung zu erregen vermochte, hat die Skulptursich »m so glänzender gezeigt, und sie lieferte Werke, worunter vielezu den höchsten Hoffnungen berechtigten und eins sogar mit denbesten Erzeugnissen dieser Knust wetteifern konnte. Es ist der Kamdes Herrn Elex, Es ist eine Gruppe von symmetrischer, ja monnmentaler Schönheit, von antediluvianischcm Charakter, und dochzugleich voller Zeitbedentung, Kam mit Weib und Kind, schicksal-ergeben, gedankenlos brütend, eine Versteinerung trostloser Ruhe.Dieser Mann hat seinen Bruder getötet infolge eines Opferzwistcs,eines Religionsstreits. Ja, die Religion hat den ersten Brudermordverursacht, und seitdem trägt sie daS Blntzeichen auf der Stirne.

Ich werde auf de» Kam von Etex späterhin zurückkommen,wenn ich von dein außerordentlichen Aufschwung zu reden habe, denwir in unserer Zeit bei den Bildhauern noch weit mehr als bei den