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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
157
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Kmistdcrichtc aus Paris. IS7

Malern bemerken. Der Spartakus nnd der Theseus, ivelche beidejetzt im Tnilcricngartcn aufgestellt sind, erregen jedesnial, wenn ichdort spazieren gehe, meine nachdenkende Bewnndernng. Nur schmerztes mich zuweilen, wenn es regnet, daß solche Meisterstücke unserermodernen Kunst so ganz nnd gar der freien Luft ausgesetzt stehen.Der Himmel ist hier nicht so mild wie in Griechenland, und auchdort standen die besseren Werke nie so ganz ungeschützt gegen Windund Wetter, wie man gewöhnlich meint. Die besseren waren wohl-gcschirmt, meistens in Tempeln. Bis jetzt hat jedoch die Witterungden neuen Statuen in den Tuilericn wenig geschadet, und es ist einheiterer Anblick, wenn sie blendend weiß aus dem frischgrüncnKastanienlaub hervorgrüßen. Dabei ist es hübsch anzuhören, wenndie Bonnen den kleinen Kindern, die dort spielen, manchmal erklären,was der marmorne nackte Mann bedeutet, der so zornig sein Schwertin der Hand hält, oder was das sonst für ein sonderbarer Kauz ist,der ans seinem menschlichen Leib einen Ochscukopf trägt, und denein anderer nackter Mann mit einer Keule niederschlägt; der Ochsenmensch, sagen sie, hat viele kleine Kinder gefressen. Junge Republi-kaner, die vorübergehen, Pflegen auch wohl zu bemerke», daß derSpartakus sehr bedenklich nach den Fenstern der Tuilericn hinauf-schielt, und in der Gestalt des Minvtaurus sehen sie das Königtum.Andere Leute tadeln auch wohl an dem Thesens die Art, wie er dieKeule schwingt, und sie behanptein wenn er damit zuschlüge, würdeer unfehlbar sich selber die Hand zerschmettern. Dem sei aber, wieihm wolle, bis jetzt sieht das alles noch sehr gut aus. Jedoch nacheinigen Wintern werden diese vortrefflichen Statuen schon verwittertnnd brüchig sein, und Moos wächst dann an dem Schwerte desSpartakus, und friedliche Jnsektenfamilieu nisten zwischen dem Ochsen-kvpfe des Minotaurns und der Keule des Thcseus, wenn diesem nichtgar unterdessen die Hand mitsamt der Keule abgebrochen ist.

Da hier doch so viel unnützes Militär gefüttert werden muß,so sollte der König in den Tuilerien neben jede Statue eine Schild-wache stellen, die, wenn es regnet, einen Regenschirm darüberausspannt. Unter dem bürgcrköniglichcn Regenschirm würde dannim wahren Sinne des Wortes die Kunst geschilpt sein.

Allgemein ist die Klage der Künstler über die allzugroße Spar-samkeit des Königs. Als Herzog von Orleans, heißt cS, habe erdie Künste eifriger beschützt. Man murrt, er bestelle verhältnismäßigzu wenig Bilder lind bezahle dafür verhältnismäßig zu wenig Geld.Er ist jedoch, mit Ausnahme des Königs von Bayern, der größteKunstkenner unter den Fürsten. Sein Geist ist vielleicht jetzt zu sehrpolitisch befangen, als daß er sich mit Kunstsachen so eifrig wieehemals beschäftigen könne. Wenn aber seine Vorliebe für Malereinnd Skulptur etwas abgekühlt, so hat sich seine Neigung für Archi-